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Auf Schienen in die Ukraine   Ι  Im Schlafwagen von Prag nach Lemberg


Verfasst und erlebt von:  Tobias Letzte Aktualisierung am 11.01.2017

BAYERISCH-EISENSTEIN - PRAHA, TSCHECHIEN - LWIW, UKRAINE

Ein warmer, klarer Spätsommertag am Bahnhof von Bayerisch-Eisenstein. Bis vor einigen Jahren war das schmucke und in hellen Farben renovierte Empfangsgebäude noch düstere Grenzstation mit Schlagbaum und Stacheldraht. Über die Bahnsteige hindurch verläuft die Grenze zwischen Deutschland und Tschechien. Mittlerweile erinnert an diese nur noch ein ovales Schild und ein kleines Denkmal.

Wir besteigen den Schnellzug nach Prag, reisen am offenen Fenster durch den Böhmerwald und lassen kleine Ortschaften, sattgrüne Wiesen und weite gelbe Felder an uns vorbei ziehen. Statt frischer Luft zieht allerdings nur Dieselgestank durch die Fenster - aber einen echten Bahnfahrer stört das natürlich nicht ;-)

Den Hauptbahnhof von Prag erreichen wir am Nachmittag nach einer vierstündigen Fahrt. Es bleiben uns noch einige Stunden bis zur Weiterfahrt. Die Karlsbrücke wird von weitem in Augenschein genommen und für einen üppigen Teller Böhmischen Guasch mit Knödeln und ein dunkles Kozel-Bier links liegen gelassen. Mittlerweile hat die Abendsonne die Stadt und die Moldau in goldgelbs Licht getaucht.

23 Uhr, Gleis 5, EuroNight Nummer 443, Kurswagen Nummer 361. Unser blauer Schlafwagen mit gelben Streifen sticht bereits von weitem aus der sonst eher eintönig rot gefärbten Wagenschlange unseres Zuges hervor. In der Mitte des Wagens trohnt der Dreizack, den wir bereits während unserer Reise im Juni nach Kiew kennen gelernt haben, das Symbol der Ukraine. An der Türe des Schlafwagens warten bereits ein hagerer Ukrainer und eine große blönde Ukrainerin in Festtagsuniform. Wir beziehen unsere Abteile. Ein typisches Schlafwagenabteil mit zwei heruntergeklappten Betten, einem Klapphocker, Mini-Waschbecken und Klappfenster. Geschmückt durch einen abgewetzten, aber reichlich verzieten weinroten Perserteppich auf dem Boden. Was dieser wohl alles schon erlebt hat? Zumindest die Flecken auf selbigem könntern vermutlich stundelang Geschichten erzählen...

23:09 Uhr am Bahnhof von Prag, Tschechien: Pünktlich auf die Minute setzt sich unser Zug in Bewegung. Wir werden in dieser Nacht die hohe Tatra durchqueren und erst kurz vor Kosice in der Slowakei wieder aufwachen.

8:39 Uhr am Bahnhof Kosice, Slowakei: Langsam erwacht der Kurswagen. Wir werden hin und her rangiert, ein Teil der Reisenden deckt sich im bahnhofsnahen Supermarkt mit Frühstück ein. Zeit ist genug, wir werden hier noch über zwei Stunden pausieren. Wir starten den Tag mit Schwarztee und Kaffee, natürlich stilecht aus den uns auf unseren Reisen in den Osten Europas so lieb gewonnen reichlich verzeirten Teegläsern in passendem Messinggestell. Ab hier verläuft die Fahrt bis zur ukrainischen Grenze im Schneckentempo. Wir hängen an einem Regionalzug und egal wie klein der Bahnhof auch sein mag, wir halten an jeder Milchkanne.

14 Uhr am Bahnhof von Chop, Ukraine: Wir haben soeben die Grenze zur Ukraine passiert. Die Pässe wurden von einem Mann und einer Frau in Tarnanzug eingesammelt. Unser Zug setzt sich trotzdem in Bewegung, jedoch nicht in Richtung Ziel sondern zur Umspuranlage. Bisher fuhren wir auf europäischer Normalspurgleisen, nun bekommen wir breitere Drehgestelle, die für die ukrainische Breitspur geeigent sind. Auf zwei Bänken unter Weinreben sitzen eine Hand voll Männer in leuchtenden Westen über ihren Blaumännern. Nach Stillstand des Wagens eilen sie hektisch umher, bedienen den großen Kran und werkeln mit allerlei Werkzeug an unserem Zug herum. Es scheint nicht üblich zu sein, aber wir dürfen hier sogar aussteigen. Von außen beobachten wir interessiert das Spektakel. Erst werden die Drehgestelle gelöst, dann der Wagen langsam hochgehoben und wieder auf neuen, breiteren Drehgestellen herab gesenkt. Die Arbeiter erklären enthusiastisch auf ukrainisch was sie hier tun und führen uns von Rad zu Rad und Schraube zu Schraube. Unsere Schaffner haben sich während dessen die Trauben der Arbeiter geüflückt und beobachten ebenso bei einer Zigarette das Geschehen. Nach etwa einer Stunde ist die Vorstellung beendet.

16 Uhr am Bahnhof von Chop, Ukraine: Wieder zurück am Bahnsteig bekommen wir unsere Pässe wieder und werden freundlichst in der Ukrsaine begrüßt. Es bleibt noch kurz Zeit sich am Bahnhof umnzusehen. Es gibt hier zwei Gebäude, den schmucken Inlandsbahnhof und den Internationalen im Sowjet-Stil mit entsprechenden überdimensionalen Wandbildern im Inneren über den Fahrkartenschaltern. In der Nachmittagssonne setzt sich unser, nun etwa 20 Wagen zählender Zug in Richtung Kiew in Bewegung. Es folgt eine Fahrt über flache Felder und große Weiten, bevor kurz vor Einbruch der Dunkelheit das Flachland in Hügel wechselt.

22:30 Uhr am Bahnhof von Lwiw (Lemberg), Ukraine: Wir verabscheiden uns von den beiden Zugbegelitern, die mittlerweile Unfiorm gegen Jogginghose getauscht haben. Die Lemberger Nacht und viele hektische Taxifahrer warten auf uns.  

Im Schnellzug von Bayerisch-Eisenstein nach Prag

 An der Moldau in Prag, Tschechien Historische Straßenbahn in  Prag, Tschechien An der Moldau in Prag, Tschechien

Prag, Tschechien

Unser Kurswagen der ukrainischen Eisenbahn in Prag, Tschechien 

Prag, Tschechien Prag, Tschechien Unser Schlafwagenabteil

Bahnsteigszenerie in Košice, Slowakei

Frühstück in Košice, Slowakei

Im Schlafwagen der ukrainischen Eisenbahn Im Schlafwagen der ukrainischen Eisenbahn Im Schlafwagen der ukrainischen Eisenbahn

Eisenbahngrenzübergang Chop: Willkommen in der Ukraine!

Der Inlandsbahnhof von Chop, Ukraine

Die Umspuranlage von Chop, Ukraine Die Umspuranlage von Chop, Ukraine Die Umspuranlage von Chop, Ukraine

Die Umspuranlage von Chop, Ukraine

Die Umspuranlage von Chop, Ukraine

Die Umspuranlage von Chop, Ukraine Die Umspuranlage von Chop, Ukraine Die Umspuranlage von Chop, Ukraine

Die Umspuranlage von Chop, Ukraine

Die Umspuranlage von Chop, Ukraine

Unser Zug am Bahnhof von Chop, Ukraine Der internationale Bahnhof von Chop, Ukraine Wandbild im internationalen Bahnhof von Chop, Ukraine

Wandbild im internationalen Bahnhof von Chop, Ukraine

Ankunft in Lwiw (Lemberg), Ukraine


 

- ANREISETIPP - 

Von Deutschland aus erreicht man Lwiw (Lemberg) ganz bequem auf der Schiene. Man braucht zwar ein bisschen Zeit, kann dann aber in einer Nacht und einem Tag ab Prag ohne Umsteigen im Kurswagen der ukrainischen Staatsbahn (UZ) bis in die Hauptstadt der Westukraine durchfahren. Der Wagen selbst verkehrt täglich und es gibt auch noch weitere Kurswagen ab Bratislava und Budapest.

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