image1

header mutterheimat


Die Mutter-Heimat-Statue in Kiew Ι  Kiew von viel zu weit oben...


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 28.07.2016

KIEW, UKRAINE

Kiew. Ich wollte es ja nicht anders. Halbherzig versuche ich pampig auf Tobi zu sein und mir einzureden, das hier sei alles seine Schuld, immerhin war es ja seine Idee. Klingt logisch, oder? Ich hab nur leider ein Problem - Ich bin viel zu neugierig, als das hier nicht zu machen...

Ich hasse Höhen. Nicht direkt den Anblick von Oben oder den Zustand, sich irgendwo weit oben zu befinden. So lange ich solide Mauern um mich herum und unter mir habe, ein Geländer oder Verglasung, ist alles gut. Direkte Erdung ist das Zauberwort. Mein Herzschlag geht erst in die Höhe, wenn ich den freien Fall unter mir spüre. Die olympische Disziplin für mich ist Fliegen. Wenn ich den Hobbypsychologen an mir selbst gebe, dann hat es wahrscheinlich etwas mit Kontrolle zu tun, dem Gefühl, die Verantwortung für die Situation abzugeben und nichts als tausende Meter reine Luft unter mir zu haben. Der Klassiker unter den Gründen für Flugangst...

Höhen sind und bleiben für mich eine Herausforderung, aber zumindest neige ich nicht zu Panikreaktionen und reagiere in den meisten Situationen eher rational als intuitiv. Meine Höhenangst - insofern ich das Höhenangst nennen kann - hat mich noch nie daran gehindert, in ein Flugzeug zu steigen oder einen Klettergarten zu besuchen. Oder mich - so wie jetzt gerade - durch die steilen, stickigen Schächte zu quetschen, durch die man auf die Aussichtsplattform der Mutter-Heimat-Statue in Kiew gelangt.

Die Mutter-Heimat-Statue in ganzer Größe

Dass unser Aufstieg keine gemütliche Aufzugfahrt zu dezenter Kaufhausmusik werden würde, war ja eigentlich vorher klar. Spätestens in dem Moment, in dem uns am Eingang der patent wirkende Museumsmitarbeiter in Empfang nimmt, uns beim Händeschütteln fast die Hand bricht und sich und seine Tarnhose im Sprinttempo in Richtung Aufzug schiebt, schaltet das Spielkind in mir in den Abenteuer-Modus. Nataliya, unsere Reiseführerin hier in Kiew, streckt uns ermutigend die Daumen entgegen und verdrückt sich dann dezent in den kühlenden Schatten neben dem Kassenschalter. "Weise Frau..." denke ich bei mir und eile Tobi und der Tarnhose hinterher in die drückende Hitze des ersten Aufzugs.

Im Inneren der mehr als sechzig Meter hohen Figur ist es drückend heiß, und das, obwohl es erst zehn Uhr morgens ist. Um uns herum laden sich fünfhundert Tonnen Stahl in der strahlenden Junisonne auf. Fünfhundert Tonnen Erinnerung an Siege sowjetischer Streitkräfte während des Zweiten Weltkrieges, und wir Mitten drin. Mutter Heimat freut sich und schwingt ihr Schwert weit hoch über die Hänge der ukrainischen Hauptstadt. Die allerdings hat inzwischen einen Großteil der sowjetischen Symbolik aus dem Stadtbild verbannt, auch der Mutter Heimat droht die Demolierung oder wenigstens ein grundlegendes Umstyling.

Es versteht sich daher von selbst, dass sich Tobi, mein Tobi, der im Grunde als Drohne auf die Welt hätte kommen müssen, es sich nicht entgehen lassen kann, die Plattform oberhalb des Schilds zu erklimmen und einen Blick auf das Miniatur-Kiew zu werfen, solange es noch offiziell möglich ist.

Die Mutter-Heimat-Statue steht für den Sieg sowjetischer Streitmächte während des Großen Vaterländischen Krieges

Die Mutter-Heimat-Statue Sowjetische Symbolik auf dem Schild Die Mutter-Heimat-Statue

Es folgt eine Kombination aus kurzen Fahrstuhlfahrten und Treppenaufstiegen. Und dann kommt der erste Schacht. Der, der von der Schulter der Figur durch den Arm führt ... Rachsüchtig schiele ich über mich auf Tobis Schuhsohle, während wir uns hintereinander durch den Schacht schieben, und pampe ihn in Gedanken an, jetzt bloß nicht auf die Idee zu kommen, abzurutschen. Unter mir geht es gut acht Meter nach unten. Freier Fall direkt auf den Schachtboden, und wir sind noch nicht oben angekommen. Bäh.

Zugegeben - Das alles klingt alles wahrscheinlich weit dramatischer, als es tatsächlich ist. Aber die Leiter geht steil nach Oben, die Sprossen sind rutschig, und unter mir ist genügend freier Fall, um einen Menschen mit Höhenangst zittrige Hände zu verpassen. Dementsprechend erleichtert bin ich, als der Weg zurück in die Horizontale geht und Sonnenlicht auf uns fällt. Wir stemmen uns aus dem Schacht und dem darauffolgenden Unterboden und finden uns endlich auf der Aussichtsplattform wieder.

Die Mutter-Heimat-Statue Zugang zum Inneren des Stahlmonsters ... Blick von der Aussichtsplattform auf der Mutter-Heimat-Statue

Blick von der Aussichtsplattform auf der Mutter-Heimat-Statue

Blick von der Aussichtsplattform auf der Mutter-Heimat-Statue Blick von der Aussichtsplattform auf der Mutter-Heimat-Statue Blick von der Aussichtsplattform auf der Mutter-Heimat-Statue

Aufstieg und Abstieg von der Aussichtsplattform auf der Mutter-Heimat-Statue

Im Sockel der Mutter-Heimat-Statue, in dem den "Helden der Sowjetunion" (Soldaten des Großen Vaterländischen Krieges) gedenkt wird Im Sockel der Mutter-Heimat-Statue, in dem den "Helden der Sowjetunion" (Soldaten des Großen Vaterländischen Krieges) gedenkt wird Im Sockel der Mutter-Heimat-Statue, in dem den "Helden der Sowjetunion" (Soldaten des Großen Vaterländischen Krieges) gedenkt wird

Im Sockel der Mutter-Heimat-Statue, in dem den "Helden der Sowjetunion" (Soldaten des Großen Vaterländischen Krieges) gedenkt wird

Untere Aussichtsplattform der Mutter-Heimat-Statue Untere Aussichtsplattform der Mutter-Heimat-Statue Untere Aussichtsplattform der Mutter-Heimat-Statue

Dezente Größenverhältnisse

Denkmäler auf dem Gelände, das dem Andenken an den Großen Vaterländischen Krieg gewidmet ist Denkmäler auf dem Gelände, das dem Andenken an den Großen Vaterländischen Krieg gewidmet ist Denkmäler auf dem Gelände, das dem Andenken an den Großen Vaterländischen Krieg gewidmet ist

Dass sich der Aufstieg gelohnt hat, erklärt sich an diesem Punkt von selbst. Diesen Ausblick auf Kiew bekommt man wahrscheinlich sonst nirgends. Die Plattform an sich ist nicht breit, vielleicht zwei mal drei Meter, bietet aber einen weitwinkligen Blick über den milchigen Verlauf des Dnepr und die Gebäude Kiews, die sich an die Ufer schmiegen. Die Höhe komprimiert die Millionenstadt auf die Größe einer Puppenstadt, zwischen den Häusern, Kirchen und Straßen so unendlich viel Grün. Wer höher hinaus will, der kann durch einen weiteren, kurzen Schacht auf die Oberkante des Schildes steigen, natürlich nicht, ohne der Tarnhose vorher ein paar obligatorische UAH zuzustecken. Tobi lässt sich das natürlich nicht entgehen, ich verzichte. Mir reicht der Ausblick von der Plattform. Ich weiß, dass ich froh sein werde, wenn wir wieder unten sind. Noch glücklicher aber bin ich, dass ich mit hier hoch gekommen bin.


 

// INFOBOX //

Terminbuchungen vorab per Telefon unter der +38 (044) 285-94-52. Falls ihr einen habt, könnt ich auch Euren Reiseführer bitten, die Buchung zu übernehmen. Der Eintritt liegt bei 20 UAH p/P. Offiziell sind auch "Führungen" auf Englisch und direkt am Schalter buchbar, allerdings werden diese Angaben unserer Erfahrungen nach in der Realität eher unflexibel gehandhabt. Daher meldet ihr euch idealerweise vorher an und klärt auch ab, was passiert, sollte die Statue am Buchungstag zu stark aufgehitzt sein.   

Ihr findet die Mutter-Heimat-Staute unweit der Nähe zum Heiligen Mariä-Himmelfahrt-Klosters, des Kiewer Höhlenkloster. Die Statue ist Mittelpunkt einer größeren Gedenkstätte mit verschiedenen Monumenten und Denkmälern, unter anderem das Ewige Feuer und ist daher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Im Sockel der Statue befindet sich das Nationale Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieg.

 

- ANREISETIPP - 

Von Deutschland aus erreicht man Kiew ganz bequem auf der Schiene. Man braucht zwar ein bisschen Zeit, kann dann aber in zwei Nächten ab Prag ohne Umsteigen im Kurswagen der ukrainischen Staatsbahn (UZ) bis in die Hauptstadt der Ukraine durchfahren. Der Wagen selbst verkehrt täglich und es gibt auch noch weitere Kurswagen ab Bratislava und Budapest.

// Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


 

- LINKTIPPS -

Unsere Fremdenführerin Natalyia mit ihrem deutschsprachigen Blog  auf www.reisenua.net

Tickets und eine kompetente Beratung für Fahrkarten in die Ukraine gibt es bei der Bahnagentur Schöneberg

 

// Vernetz dich mit uns! // 

Pictogramm Facebook klein     Basisrahmen Twitter klein     Basisrahmen Instagram klein     Basisrahmen Youtube klein     Basisrahmen Google klein    
2017  Weltenfinder   globbers joomla templates