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Schienenleben in der TürkeiI Mit dem Doğu-Ekspresi von Ankara bis Anatolien


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 22.04.2015

ANKARA - ERZURUM, TÜRKEI

Auf dem Landweg in den Kaukasus - Kurz nach achtzehn Uhr zieht das abendliche Ankara in der Geschwindigkeit des Schnellzuges Doğu-Ekspresi an uns vorbei. Noch gibt es keiner zu, aber so langsam geht uns die Puste aus. Auch wenn ich mich auf die Fahrt durch Ostanatolien freue - meine Bedürfnislage beschränkt sich momentan auf den dringlichen Wunsch, mehr als eine Nacht an einem Ort verbringen zu können. Die vielen Eindrücke lassen sich kaum verarbeiten, und wir haben die nächsten zweiundzwanzig Stunden Schienenleben vor uns.

Der Doğu-Ekspresi überzeugt uns bereits nach einem kurzen Blick in die Abteile. Das Interieur mit Waschbecken und eigenem Kühlschrank ist hell, sauber und so funktional durchdacht, wie wir es bisher in keinem anderen Schlafwagen gesehen haben. Die Abteile sind so geräumig, dass wir bequem unsere fünf breitschultrigen Westeuropäer-Körper darin parken können. Um uns den Zug näher anzusehen, bleibt zunächst keine Zeit, denn  die Landschaft hinter dem Fenster zieht all unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die urbane Stimmung ist mittlerweile einer schier unendlichen Weite gewichen und die tiefstehende Sonne hat die Hügel, Bäume und Felder in eine goldene, orientalische Märchenlandschaft verwandelt. Das Berggemälde vor dem Fenster wirkt mächtig und filigran zugleich, Farben und Schatten erzählen von einer archaischen Landschaft, die Jahrtausende Menschheitsgeschichte ertragen hat. Kaskaden aus Braun, Grün und Gelb ziehen an uns vorbei, bis der Abend das Licht aus der Landschaft saugt.

Mit dem Abend zieht auch der Hunger in unser Abteil und so wandern wir von Wagen zu Wagen, um wenig später den in der Zugmitte gelegenen Speisewagen zu erreichen. Kochschwaden liegen in der Luft - hinter dem kleinen Tresen wird frisch gekocht, man riecht und schmeckt bereits am Eingang die Türkei mit allen Sinnen. Über der Theke trohnt Attatürk, der sich in jeder Kurve in die entgegengesetzte Richtung neigt. Auch der Speisewagen spannt den Bogen zwischen Funktionalität und Gemütlichkeit in Blau, Weiß und Orange. Wir belegen zu fünft zwei Tische, kleben mit dem Blick weiter am Fenster. Der Kellner ist zurückhaltend aber freundlich, taut mit jeder Bestellung etwas mehr auf. Es werden noch einige sein - der Abend reicht von einem ausgiebigen Abendessen mit Hirtensalat, eingelegten Weinblättern, gegrilltem Fleisch und Auberginen-Gemüse bis zum zuckersüßen Baklava und Pistazien mit literweise Cay. Wir plaudern mit anderen Reisenden, lachen viel und genießen diese Form der Reisekultur, wie sie im schnellatmigen Westeuropa kaum noch gelebt wird. Je später der Abend wird, desto mehr Minuten hat jede Stunde. Als wir uns schließlich in die obligatorisch kurzen, aber angenehm weichen Betten legen, tropft der intensive Blutmond des Sommers 2014 rotgleißendes Licht auf eine flache, geisterhafte Landschaft...

Bahnhof Ankara Im Schlafwagen des Doğu Ekspresi Schlafwagenabteil im Doğu Ekspresi

Doğu Ekspresi

Schlafwagenabteil im Doğu Ekspresi Schlafwagenabteil im Doğu Ekspresi Schlafwagenabteil im Doğu Ekspresi

Fensterblick aus dem Doğu Ekspresi

Doğu Ekspresi Fensterblick aus dem Doğu EkspresiFensterblick aus dem Doğu Ekspresi

Fensterblick aus dem Doğu Ekspresi

Tischlein deck dich... Im Speisewagen des Doğu EkspresiDas Dessert darf nicht fehlen ;-)

Klares, durch die Scheibe aufgeheiztes Sonnenlicht weckt uns am nächsten Morgen nach ein paar Stunden erholsamen, durchgeschüttelten Schlafs. Wir befinden uns  mitten im Hochland Ostanatoliens in einer weiten Ebene des Flusses Karasu, der westwärts fließend einen Quellfluss des Euphrat bildet. Bei Cay aus dem kleinen Samowar des Schlafwagenschaffners und mit dem Geschmack nach frischen Oliven passieren wir Kurve um Kurve einer weiterhin spektakulären, dünn besiedelten Landschaft. Je weiter wir Richtung Osten kommen, desto mehr Müll liegt neben den Schienen und in den Feldern. Am frühen Nachmittag erreichen wir das von überdimensionalen Gebirgsketten eingekesselte Erzincan, wo ich mir während des knapp zehnminütigen Stopps durch das Fenster ein intensiv Grimassen-Duell mit einem zahnlosen Großväterchen auf dem Bahnsteig liefere.

Nach weiteren vier Stunden durch das Tal des Euphrat und einem Meer aus Getreidefeldern erreichen wir das eintausendneunhundertfünfzig Meter über dem Meer gelegene Erzurum, das wir allerdings komplett links liegen müssen. Unser Zeitplan jagt uns aus dem Doğu-Ekspresi, kaum dass die Räder zum Stillstand gekommen sind. Atemlos geht es mit dem ersten Taxisfahrer, der außerhalb des pragmatischen, glanzlosen Bahnhofsgebäudes über uns stolpert, Richtung Busbahnhof.  Die letzten Stunden in der Türkei brechen an - und werden letztendlich länger dauern, als wir uns momentan vorstellen...

Am nächsten Morgen: Ostanatolien zieht am Fenster vorbei Ostanatolien zieht am Fenster vorbei Ostanatolien zieht am Fenster vorbei

Ostanatolien zieht am Fenster vorbei

Ostanatolien zieht am Fenster vorbei Ostanatolien zieht am Fenster vorbei Ostanatolien zieht am Fenster vorbei

Im letzten Wagen...

Ostanatolien zieht am Fenster vorbei Ostanatolien zieht am Fenster vorbei Guten Morgen im Speisewagen ;)

Ostanatolien zieht am Fenster vorbei

Teepause im Schlafwagen... Ein fast verlassener Bahnhof Ostanatolien zieht am Fenster vorbei

Ostanatolien zieht am Fenster vorbei

Ein altes Dampfross in Ercincan Unser Schlafwagenschaffner Ankunft in Erzurum


Nächste Station: folgt

Vorherige Station: Fünf Stunden Ankara I Kurze Atempause in der Hauptstadt


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus erreicht man Istanbul sicher am besten per Flugzeug. Eisenbahnerprobte können die Stadt aber durchaus auch auf der Schiene erreichen. Empfehlenswert ist die Direktverbindung mit dem Optima-Express bis Edirne und von dort aus im Bus oder Bahnnahverkehr bis Istanbul. Den Expresszug bis Erzurum kann man über die türkische Eisenbahn oder ausgewählte Agenturen buchen. Beachten sollte man allerdings, dass die komfortablen Schlafwagen sehr schnell ausgebucht sind.

 // Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


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