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Hamam-Besuch in Istanbul I Atempause im türkischen Dampf-Bad


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 09.04.2015

ISTANBUL, TÜRKEI

Auf dem Landweg in den Kaukasus Nach einem Tag Istanbul-Trubel brauchen wir einen Break. Der Enthusiasmus der am Vortag noch so erbarmungslosen Sonne hat sowieso gerade nachgelassen, angegraute Wolken drohen sich zu entleeren und uns mit einem milden Sommerschauer einzunässen. Das Taxi, das sich kaum, dass wir eingestiegen sind, im Zickzack durch engste Gassen windet und uns dabei kräftig durchschüttelt, hält irgendwo im Stadtteil Beyoglu, wo das Gedränge an Menschen zwar nicht lichter, dafür ein bisschen einheimischer ist als in Bosporus-Nähe. Vor dem äußerlich etwas unspektakulärem Büyük Hamam, das uns in unserem Hostel empfohlen wurde, trennt sich unsere Gruppe auf in Weiblein und Männlein.

Die Jungs platzieren sich mit siegesgewisser Miene vor dem Haupteingang, während ich mit Diana um die Ecke trete und durch den rotgetünchten Seiteneingang den kleineren Badbereich für Frauen betrete. Mit dem Sonnenlicht lassen wir - gezwungenermaßen - jegliche Berührungsangst zurück. Im Inneren erwartet uns ein Rudel dunkler Knopfaugen. Die dazugehörigen Badmitarbeiterinnen schaffen wieder diesen Spagat zwischen geschäftiger Wusligkeit und entschleunigter Gelassenheit; ohne viel Aufsehens werden uns je ein paar abgegriffene Badelatschen, zwei raue Handtücher und der Schlüssel zu einer Umkleidekabine in die Hand gedrückt. Bevor wir ratlos in der Landschaft stehen - es ist für uns beide der erste Besuch in einem Hamam - legen sich immer sofort ein Paar sanfte Hände in den Rücken und schieben uns bestimmt in die richtige Richtung.

Der Eingang für die Frauen

Und der Eingang für die Männer Büyük Hamam in Istanbul Ungeachtet der Wahlplakate beobachtet uns diese neugierige Katze

Das Innere des Frauenbereichs ist nüchtern, in gedeckten Farben gehalten und bar jeglichen Prunks. Die Luft ist warm und feucht. Außer uns befindet sich nur eine Besucherin im Hamam, eine junge Einheimische, die verträumt an einem Marmorbecken sitzt und uns nicht weiter beachtet. Bevor wir auf dem heißen Nabelstein in der Mitte des Raumes drapiert werden, gibt es in der dem Dampfbad angeschlossenen Sauna für eine Viertelstunde die Gelegenheit, die Augen zu schließen und die Welt nur aus Wärme bestehen zu lassen. So langsam macht sich in meinen Knochen die Anstrengung der bisherigen Reise bemerkbar. Auf unseren Touren ist es immer das Gleiche - nicht deine Füße, sondern der Zug transportiert dich von hier nach da. Wenn du den Zug verlässt, hast du nach einem einzigen Tag trotzdem einen halben Kontinent durchquert, und so fühlst du dich dann auch. Es ist das, was dich antreibt, auch das, was das Interrailing so anstrengend machen kann...


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Es ist, als hätte die tellak meine Gedanken gelesen - als ich mich nach dem Saunieren auf den Stein in der Mitte des Dampfbades setze und ihrer Anweisung folgend brav die Arme nach vorne strecke, ist es, als wolle sie mir vier Tage Schienenleben von der Haut schrubben. Es funktioniert, trotz der ungewohnten körperlichen Nähe zu der fremden Frau lässt sich der Stress genauso fortwaschen wie zuvor meine oberen Hautschichten. Ich weiß jetzt schon, dass Hamam-Besuche zukünftig auf meiner Muss-Liste stehen werden, und als ich kurz danach unter einem Berg aus sanftem Schaum liege, unter mir der warme Stein, weiß ich ganz genau, warum... 

Später, wieder draußen im Sonnenlicht auf der feuchten Straße, halte ich einen Moment Ausschau nach meiner zurückgelassenen Komfortzone, bis mir auffällt, dass sie mir eigentlich gar nicht fehlt. Dafür fühle ich mich viel zu entspannt.


Nächste Station: Schienenleben in der Türkei I Mit dem YHT von Istanbul nach Ankara

Vorherige Station:  Unterwegs in Istanbul Teil 2 I Zwischen Großstadthektik und Märchenpathos


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus erreicht man Istanbul sicher am besten per Flugzeug. Eisenbahnerprobte können die Stadt aber durchaus auch auf der Schiene erreichen. Empfehlenswert ist die Direktverbindung mit dem Optima-Express bis Edirne und von dort aus im Bus oder Bahnnahverkehr bis Istanbul.

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