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Ein Wochenende in St. Moritz  Ι  Bergsommer am See


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 01.11.2015

ST. MORITZ,  SCHWEIZ  

Luxus-Auszeit in St. Moritz 2015  Im InterCity verdösen wir die Anfahrt über die Gäubahn bis nach Zürich. Vor dem Fenster saugt ein grauer Morgenhimmel die Kraft aus den Farben. Wir knabbern an unserem Frühstücksgemüse, die Beine in den verhältnismaßig geräumigen Sitznischen der Ersten Klasse ausgestreckt. Von der Hitze der letzten Wochen angefressene Laubwälder und verschlafene Städtchen, über deren Fassaden noch ein Hauch Spätmittelalter liegt, ziehen an uns vorbei. Ab Tuttlingen fressen sich graue Regenschlieren den Horizont entlang. Der Rheinfall in Schaffhausen führt so viel Wasser, dass der zerfurchte Flussbett wie ein weicher Bachlauf wirkt. Heute ist Nationalfeiertag in der Schweiz. Die roten Landesfahnen, die hinter der Grenze aus jedem Fenster hängen, trotzen dem weinerlichen Wetter und verbreiten tapfer ein bisschen Feierlichkeit. In Zürich schieben sich die Bahnfahrer mit ungewohnter Gemütlichkeit über die Gleise. Wir springen auf einen Milchkaffee in der SBB-Lounge vorbei und besteigen anschließend den InterCity nach Chur. 

An der Kante eines weiterhin trübingen Vormittags gleiten wir den Züricher See entlang. Dünne Dunstschleier liegen über dem Wasser, die sich langsam, je näher wir Chur kommen, zu schweren Nebelwolken zusammen ziehen und die Hänge der sich aufhäufenden Berge hinaufkriechen. Über dem Walensee kann sich die Sonne durch die Wolkendecke durchkämpfen. Wir nehmen es als Versprechen auf das Feuerwerk, dass heute Abend in St Moritz steigen soll. Der See leuchtet wie die Unterseite eines Eisbergs, silbrig-grau und schimmernd. Ab Thusis gleiten wir - eingekuschelt in die weichen, stoffüberzogenen Sitze der Ersten Klasse der Rhätischen Bahn - wieder über die Albulalinie. Draußen schrumpft die Welt auf die uns bereits bekannt Miniaturlandschaft zusammen - Tiefgrüne Tannenwälder, abweisende, raue Steilhänge, kristallene Flussläufe und authentische Bergromantik, heute in der feuchten, trüben Sommer-Variante. Die Luft hat aufgeklart, aber noch immer nisten schwere Nebenschwaden an den Hängen und verweigern den Blick auf die Gipfel. Die Hoffnung auf das Feuerwerk sinkt...

Schweizer Lokimpression zum Nationalfeiertag Landwasserviadukt (Höhe 65 Meter) bei Filisur Ankunft in Sankt Moritz 

Im historischen Gourmino-Speisewagen der RhB 

Gourmino-Speisewagen der RhB Prättigauer Bauernteller: Bündnerfleisch, Engadiner Rohschinken, Coppa und Bündner Bergkäse St. Moritz - Top of the World

St. Moritz - Bergsommer am malerischen See

Gebe es ein Drehbuch für's Reisen dann hätte jede Destination ein festes Set an Hauptdarstellern, für die die Destination nach außen bekannt ist und die den Ruf vorgeben. St. Moritz an sich ist eine Erwartung. Man kommt an und findet eine Stadt, die nicht so richtig weiß, ob sie schickes Starlet oder bereits gesetzte Grand Dame sein will. Nichtsdestotrotz ist St. Moritz schon lange im Geschäft. Der Ort gilt als Geburtsort des Wintersport-Tourismus. Der Legende nach schloss der Schweizer Hotelier Johannes Badrutt Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit britischen Urlaubern, die ihren Sommer in den Schweizer Alpen genossen, eine Wette ab: Er lud sie für den Winter in sein Hotel ein und versprach, sollten sie trotz des Schnees nicht kurzärmlig auf seiner Terrasse sitzen können, würde er die vollen Reisekosten übernehmen. Natürlich gewann Badrutt die Wette, und natürlich ist die Legende eine, die bis heute von den Engardiner Hoteliers erzählt wird.

Auf die fünftausend Einwohner der Stadt kommen jährlich knapp eine Viertel Million Besucher, die die intensive, alpine Sonne im Sommer und die schnee-romantischen Winter genießen. Und diese Besucher bringen nicht nur touristischen Zulauf, sondern auch ordentlich Prestige - St Moritz verfügt gemessen an seiner Fläche über die Höchste Dichte an Fünf-Sterne-Hotels weltweit. Das ist das, wofür man St Moritz kennt (vor allem, wenn man selbst noch nie einen Fuß in die Stadt gesetzt hat): Schickeria, Szene, Opulenz. Findet man alles auch. Vor allem, wenn man es finden will. Aber zwischen künstlichem Pauschal-Prunk und Luxus als Superlativ liegt ja zum Glück einiges mehr als nur Klischees und Vorerwartungen. Im Sommer kommt St Moritz entschleunigt und bescheidener als im Winter daher. Im Sommer lässt man der Zeit die Möglichkeit zur Entfaltung, und wer auf der Suche nach schicken Partynächten als Sommervariante zum Aprés Ski ist wird kaum fündig. Sagen die Einheimischen selbst. Dem Stadtbild sieht man an, dass es historisch gewachsen ist in Jahrzehnten, deren architektonische Ästhetik heute nicht gerade als opulent gilt. Die Innenstadt ist ein inkonsequenter Mix aus verschiedenen Baustilen und architektonischen Elementen - Schweizer Pragmatismus trifft auf sechziger Jahre - Schick. Über dem Engardiner Kern, der sich immer wieder in einer Fensterverzierung oder in einer Schnitzerei über einem Fensterladen zeigt, liegen viel Blech und Beton. Kernstück des Städtchens ist der St Moritzersee, zur Hälfte je eingerahmt von Stadt und dem Stazerwald, im Sommer ein saphierblauer Farbfleck inmitten des alpinen Grüns, der mit seinen gemächlich hin und her gleitenden Segelbötchen und den am Ufer entlang schlendernden Spaziergängern jedem Landschaftsmaler die ideale Vorlage bieten würde.

St. Moritz (1822 m) und der St. Moritzersee

Am St. Moritzersee Enten am St. Moritzersee Am St. Moritzersee 

Versteckt zwischen Fachwerk und Bäumen: Der St. Moritzersee

Wer nicht nur die Stadt sehen, sondern seine Lungen mit jungfräulicher Luft füllen will, der sollte von St Moritz Bad aus die Signalbahn nehmen und über die Hänge auf knapp zweitausendeinhundert Meter hinauf segeln. Von der Station Signal bietet sich ein weitwinkliger Blick über das Tal und auf den Champfèrer See, den Silverplanersee und den St Moritzersee, die wie jadefarbene Kristalle unter uns im Panorama liegen. Es ist still hier oben, trotz der Wanderer, die enthusiastisch voranschreitend aus der Gondel in die Bergwelt entladen werden, die sichtbar auf Wintertourismus ausgerichtet ist, und deren hölzerne Aprés Ski Bars und Sonnenterassen jetzt im Sommer verwaist und ein bisschen gespenstisch wirken. 

Wir nehmen einen tiefen Atemzug der klaren Luft, die charismatisch frisch und nach Bergkräutern duftet, und schlendern ohne sportlichen Antrieb die Via Salastrains entlang, die direkt an die Station Chantarella auf zweitausend Metern führt. Unter uns schneidet sich St Moritz als heller Fleck durch die klare Luft in das alpine Grün, begrenzt durch stopplig bewaldete Hänge und hellgrünen Weiden. Wanderer und Mountain-Berger schrauben sich als bunte Flecken die Hänge rauf und runter. Hin und wieder wird die Stille vom Schrei einer Kuh und dem Gebimmel einer Glocke untermischt. Die sommerlichen Bergwiesen tragen milde Farben - Disteln, Enzian und Bergscharte greifen als violette Farbkleckse in den Weg, die Hänge werden gesprenkelt von gelben und weißen Wiesengewächsen, über denen dunkelgemusterte Schmetterlinge in Scharen ihre Runden ziehen. An fernen Berghängen glänzen schmale Wasserläufe und Geröllabgänge in der flimmernden Luft. Eingerahmt wird das Bild von mehreren Dreitausendern, doch unbestreitbarer Macho der Berge bleibt der Piz Nair mit knapp dreitausendsechzig Metern, der vom Tal aus per Zehnradbahn und ab der Station Corviglia mit Seilbahn erreicht werden kann - oder natürlich zu Fuß.

Dieser Enthusiasmus, die Bergwelt per Wanderung zu erkunden, fehlt uns und unserem Zeitplan heute. Wir genießen den Moment und das Panorama in Ruhe und begnügen uns für den Rückweg mit der Zahnradbahn, die sich ab der Station Chantarella - inklusive hipp-kommerziellem Barbetrieb aus einer ausrangierten Gondel heraus - wie ein blauer Wurm den Hang bis nach St Moritz hinunterschraubt. Die Abfahrt bietet einen typischen Alpin-Ausblick, der irgendwie austauschbarer mit anderen alpinen Spots in der Schweiz wäre, wären da nicht die schimmernden Wasserflächen der Seen und der Glamour-Faktor, der von den stündlich über das Tal hinweg gleitenden Privat-Jets ausgeht.

Zahnradbahn nach Corviglia (2486 Meter) und Chantarella (2005 Meter) Impression an der Berghütte Salastrains Zweites Leben einer alten Gondel als Bar in Chantarella (2005 Meter)

Blick von Corviglia (2486 Meter) auf St. Moritz

Die Signalbahn - im Hintergrund der Piz Albana (3.100 Meter) und Piz Güglia (3380 Meter)

Blick von Chantarella (2005 Meter) auf St. Moritz

An der Via Clavadatsch - im Hintergrund der Silvaplanersee Gletschermassiv St. Moritz ist umgeben von beeindruckenden Bergmassiven


Nächster Teil: Im Grand Hotel des Bains - Protz erwartet, Understatement gefunden


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus erreicht man St. Moritz per Schiene schnell und bequem. Es gibt viele Direktverbindungen bis Chur. Von dort aus steigt man auf Meterspur um und fährt mit der Rhätischen Bahn über die berühmte UNESCO-Welterbe Albulastrecke nach St. Moritz. Die meisten Züge führen im Winter einen Panoramawagen, der gegen einen Aufpreis von 5 CHF nutzbar ist. Im Sommer führen nur die Glacier-Express-Züge Panoramawagen, dafür aber viele Regionalzüge einen historischen Speisewagen.

 // Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


 

Unsere Linktipps:

Infos rund um St. Moritz auf www.engadin.stmoritz.ch

Interaktive Wanderkarte auf www.engadin.stmoritz.ch

Live-Webcams in St. Moritz auf www.stmoritz.ch

Historische Aufnahmen des Hotels und Ortes auf www.engadin-history.ch

 

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