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Ein Tag Winterromantik in Bergün  Ι Detailssuche im Piz Ela


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 23.07.2015

BERGÜN, SCHWEIZ 

2015 - Als wir in Bergün im Kanton Graubünden aus dem Zug steigen - in einen ungewohnt charismatischen Winter, dem wir naiver Weise mit Turnschuhen und Jeans zu begegnen versuchen - bin ich mir sicher, während der Fahrt über die Albulabahn wirklich geschrumpft zu sein. Das Dorf, die Berge, das wintersportliche Couleur an Menschen auf dem Bahnhof, das wirkt alles so punktgenau komprimiert auf hundertvierzig Quadratkilometer Bergdorf-Romantik, dass ich mir sicher bin, tatsächlich in der Miniaturlandschaft eines perfektionistischen Modellbauers gelandet zu sein. Oder - mit Blick auf die kuscheligen Engadiner-Bauernhäuschen - in der winterlichen Version des Auenlandes ...

Während der Ort selbst noch im Schatten liegt leuchten die Schneebedeckten Berge bereits in der Sonne

Winterromantik pur in Bergün Schlitteln verboten! Dies gilt aber nur in der Ortsmitte ;) Winterromantik pur in Bergün

Eingereiht zwischen den Bergen präsentiert sich die Kirche von Bergün

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe - wahrscheinlich ein bisschen mehr St. Moritz - das echte St. Moritz liegt ja keine dreißig Kilometer Luftlinie entfernt - wahrscheinlich mehr Aprés Ski, mehr toupierte Schickeria in einfarbigen Wintersport-Anzügen, ganz sicher ein paar mehr Luftkissen zwischen der Straße und unseren Füßen. Auf dem Weg zu unserem Hotel halte ich verstohlen Ausschau nach meinen Klischees, kann sie aber nirgends entdecken. Engardiner Bauernhäuschen - regional-typische Steinhäuser, deren massive Grundstrukturen heute noch vorhanden sind - versprechen den Geruch nach Bratapfel und Kaminfeuer. Das ganze überschaubare Dörfchen besteht aus Gemütlichkeit und einer Atmosphäre der Zugänglichkeit abseits von groß angelegtem Wintersport-Kommerz. Die Häuschen kuscheln sich eng aneinander, ein regio-typisches Sammelsorium an Gibelfassaden, Erkerchen und tiefen Fensterfluchten, um die sich sanfte Rokkokoschnitzereien und Wappenmalereien winden, eingeschmiegt in den Talkessel von Preda. Ungewohnt und mehr als einen Blick wert.

Büdner Stillleben

Neben dem Tourismus lebt Bergün vor allem von Bio-Landwirtschaft Wandmalereien im Ortskern Neben dem Tourismus lebt Bergün vor allem von Bio-Landwirtschaft

Den Winter- und Sporttouristen stehen gerade mal vierhundertfünfzig Einwohner entgegen, und die leben hauptsächlich von den der Landwirtschaft, Wandertourismus im Sommer und den Schlittelfahrern im Winter. Groß mehr gibt es nicht im Bergün. Außer stechend frischer Luft - 1300 Höhenmeter machen sich bemerkbar - und weitwinkligen Blicken auf hochalpine Landschaften und die weißgleisenden Dreitausender, die den Ort von allen Seiten patroullieren. Aber es reicht ja auch.

Auf dem Weg zu unserem Hotel verschluckt uns gleich der bunte Strom an Schlittenfahrern, die vom Bahnhof aus die nächste Runde Richtung Lift starten. Der gewöhnliche Wintertourist in dieser Gegend spricht Schwiizerdütsch, Italienisch, Deutsch, hin und wieder Französisch und ab und zu Mundart. Bergün ist Endpunkt der längsten Schlittenbahn Europas. Insgesamt fast dreizehn Kilometer Abfahrt auf zwei Bahnen. Wer die Bretter lieber unter den Sohlen als unter dem Hintern spürt, findet etwas oberhalb ein kleines Ski-Gebiet mit knapp fünfundzwanzig Kilometern Piste.

Am Dorfplatz

Nachts in Bergün Die Schneebar Fast wie in einer anderen Zeit

Wandmalereien im alten Dorfkern

"Bubble Gum! Bubble Gum!"

Direkt vor unserem von außen etwas unscheinbar wirkendem Hotel verdichtet sich der lichte Wintersport-Kommerz zu einer kleinen Eisbar in Aprés Ski - Optik und mit erschöpften Schlittelfahrern, die selig an ihren Bechern mit dampfenden Jagertee nippen. Als wir, die Finger von dem kurzen Weg bereits eiskalt, das Piz Ela betreten, werden wir von Wärme und vom Geruch nach Holzdielen begrüßt. Der Hotelier in Form eines flattrig-herzlichen Guidos surrt an uns vorbei und drückt uns die Schlüssel für unser Zimmer in die Hand. Eigentlich - für unsere Klosterzelle.

Das Piz Ela, im achtzehnten Jahrhundert gebaut, diente ursprünglich als Palazzo für die Familie Salis, zeitweise als Postkutschenstation und als Herberge für Mönche. Keine schlechte Wahl, diese Gegend, für eine Familienresidenz dieser Art; vor den Fenstern erhebt sich der massive Namensvetter des Hotels mit knapp dreitausenddreihundert Metern gegen den inzwischen glasklaren Azurhimmel. Nach den ersten Treppenstufen schweben wir. Landhausstil, viel ursprüngliches Gewölbe, Kassettendecken, hin und wieder ein bisschen Stuck, viel Liebe zum Detail. Das Piz Ela ist nicht eins dieser reinlich gehaltenen Hotels, in denen man sich als Gast selbst wie ein Stück Inventar vorkommt. Das Gebäude hat Macken und Herz, das Hotels selbst diese direkte Erdung, die so charismatisch für den schweizer Tourismus ist. Und die man sich bewusst machen sollte, wenn man in diesen - für uns - gehobenereren Preisklassen vergoldete Wasserhähne erwartet und keine findet. 

Goldene Wasserhähne fehlen uns jedenfalls nicht. In den Gängen liegen schwere Teppiche mit komplexen Mustern aus, hängen im obersten Stockwerk an den Wänden. Wir werfen einen ersten und zweiten Blick auf die vielschichtigen Farben und fahren verstohlen über das weiche, seidige Material. Die Teppiche haben, wie wir später festsstellen werden, eine gewisse, unerwartete Verbindung zu dem Haus, eine, die uns noch lange nach dem Besuch schmunzeln lässt ...

Das Hotel Piz Ela in Bergün

Die Mönchskammer im Hotel Piz Ela in Bergün Im Hotel Piz Ela in Bergün Fast wie im Museum: Flur im Hotel Piz Ela in Bergün

In dem Wunsch, endlich unser Gepäck loszuwerden, schweben wir weiter, bis wir vor einer niedrigen, dunklen Holztüre stehen. Der Schlüssel dreht sich klickend im metallenen Schloss, die Tür schwingt seufzend auf und ich bin mir sicher, eine Hobbithöhle zu betreten. In der Klosterzelle ist es etwas schummrig, es riecht nach Parkett und frischer Wäsche. Ich werfe - wie es das Ritual auf Reisen verlangt - mein Gepäck in die Ecke und mich mit ordentlich Anlauf auf das Bett. Unser Zimmer passt zum Rest des Hotels - die Inneneinrichtung ist solide und liebevoll, verströhmt pragmatische Gemütlichkeit. Bunte Blumenmuster - handbemalt - zieren den schweren Kleiderschrank neben dem Fenster und die Bettpfosten.


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Ich bin jetzt schon tiefenentspannt und könnte - ganz in hobbitgerechter Manier - noch ein bisschen in der Bergromantik eingelullt liegen bleiben. Tobi scheucht mich ungnädig aus dem Zimmer in Richtung Gang, wo wir auf Guido treffen. Einen herzlichen, festen Händedruck später sind wir beim Du und bei einem ausgiebigen Rundgang durch den Rest des Überraschungseis, wie Guido das Haus bezeichnet. Originale Baupläne existieren nicht mehr. Erst bei der letzten Renovierung hätten sie in einem der ehemaligen Herrschaftszimmer unter dem Putz Wand- und Deckenmalereien entdeckt, die mindestens bis ins neunzehnte Jahrhundert zurück reichen müssen. Der Streifzug durch das Haus wird ein Spaziergang durch stilsicher trapierte Details; an jeder Ecke findet das Auge eine Malerei, eine Fotografie, einen Teppich oder Stich, an dem es hängen bleiben kann. Rote Schriftzüge über den Türrahmen verraten die Zimmernamen auf romanisch. Das ganze Innenleben des Hauses ist verpielt, doch zu unaufdringlich, um kitschig zu sein.

Im Frühstückssaal - nüchternes Belle Époche mit Kassettendecke und Fischgrätenparkett - wurden während des zweiten Weltkrieges amerikanische Soldaten untergebracht. Seitdem, so Guido mit einem Augenzwinkern, sei die Straße vor dem Piz Ela ein beliebter Ort unter den Kindern Bergüns gewesen. In ganzen Scharen hätten sie damals rufend vor den Fenstern gelauert, bis die Soldaten den heiß begehrtern "Bubble Gum!" herausgeworfen hätten. So, so Guido lachend, sei der Kaugummi nach Bergün gekommen.

Im Hotel Piz Ela in Bergün: Der Frühstücksraum 

Frisch offengelegte DeckenmalereienIm Hotel Piz Ela in BergünIm Hotel Piz Ela in Bergün

Das Piz Ela verfügt über zweiundzwanzig Zimmer mit insgesamt siebenundvierzig Betten. Am Hotel ist eine Pizzeria angegliedert, die wir selbst nicht besucht haben. Seine Lage direkt an der Hauptstraße wäre ein Vorteil, wäre in Bergün nicht sowieso alles fußläufig erreichbar. Preislich natürlich am regionalen Durchschnitt orientiert, hat uns das Hotel vor allem mit seinem Flair überrascht: unaufdringlich doch warmherzig, hochwertig, aber nicht artifiziell. So wie im Grunde ganz Bergün. Als wir am nächsten Tag im Frühstückssaal über unseren Tassen mit dampfendem Kaffee sitzen und glücklich den frischen Käse in uns hineinmümmeln - alle Produkte stammen aus regionaler Herrstellung - werden wir uns stillschweigend einig, dass es mal wieder ein paar Klischees gibt, die getrost entsorgt werden können.


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus erreicht man Bergün per Schiene schnell und bequem. Es gibt viele Direktverbindungen bis Chur. Von dort aus steigt man auf Meterspur um und fährt mit der Rhätischen Bahn über die berühmte UNESCO-Welterbe Albulastrecke in etwas mehr als einer Stunde nach Bergün. Die meisten Züge führen im Winter einen Panoramawagen, der gegen einen Aufpreis von 5 CHF nutzbar ist.

 // Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


 

Unsere Linktipps:

Unser Hotel in Bergün auf www.hotelpizela.ch

Bergün auf www.berguen-filisur.ch

Webcam Bergün mit Blick auf die Albulabahn auf www.sky-cam.ch

Das Bahnmuseum in Bergün auf www.bahnmuseum-albula.ch

Die Albulastrecke auf www.rhb.ch

Die Rhätische Bahn auf www.rhb.ch 

 


Vielen Dank an Guido mit Familie Iten vom Hotel Piz Ela, die uns eine Nacht zu sich eingeladen haben.

 

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