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Eisenbahn wie zu Großvaters Zeiten  Ι Unterwegs auf der Banater Semmeringbahn


Verfasst und erlebt von:  Tobias Letzte Aktualisierung am 28.08.2015

TIMISOARA - ORAVITA - ANINA, RUMÄNIEN

2015  / 2014 - Früh am Morgen gegen sieben Uhr stehen wir am Bahnhof von Timisoara. Ein schmuckloser Betonbau mit viel Rost und altem Eisen. Einzig in der Empfangshalle funkelt wie selbstverständlich eine alte Weihnachtslichterkette zwischen Spinnenweben und Rost - wie lange diese dort wohl schon leuchtet?

Am Bahnsteig angekommen steht in grellem Orange leuchtend in der Sommersonne unser antiquierter Regio-Trans Triebbwagen bereit. Wir sinken hinen in die roten, völlig durchgesessenen Liegesessel. Ein Pfiff, es bockelt, schaukelt und knarzt - wir fahren los und rumpeln in Richtung Banat. Der Triebwagen bringt uns mit einem Umstieg über Berzovia, vorbei an wenig spektakulären, dafür satt grünen, flachen Landschaften bis Oravita. Auf der Fahrt im Gepäckabteil begegnen wir einem freundlichen älteren Rumänen, der versucht, sich mit uns zu verständigen - ein junger Mann eilt ihm zu Hilfe und übersetzt. Er hat erkannt, dass wir aus Deutschland kommen, wo auch seine Tochter lebt. Irgendwo im Ruhrgebiet. Er freut sich über Deutsche hier in dieser abgelegenen Gegend, "Deutschland sei toll, seiner Tochter gehe es dort viel besser". Ehe wir uns versehen halten wir drei grüne Paprikaschoten, die eben noch in seiner Sporttasche waren, sowie eine halbe Schachtel Zigaretten in den Händen. Er müsse aussteigen, springt aus der großen Laderampe des Gepäckabteils auf einen von der natur zurückgeholten, graßbewachsenen Bahnsteig - das alles sei ein Dankeschön, dafür, dass es seiner Tochter so gut gehe. Etwas verwirrt über so viel Aufmerksamkeit und mit glühender Zigarette reden wir noch eine Weile mit dem jungen Mann aus Arad, er habe studiert, arbeite in Bukarest und besuche die Familie. Touristen fallen hier auf, von fast jedem Passagier im Zug werden wir beobachtet, oft angesprochen, meist sehr freundlich und interessiert, vereinzelt aber auch mit kritisch versteinerter Mine beäugt. 

Es rumpelt dumpf, der knatternde Motor geht aus. Oravita, Endbahnhof, bitte alles aussteigen! Ein Bahnhof wie aus dem Bilderbuch oder einem Schrebergarten einer Kleinstadt. Liebevoll restauriert mit bunten Blumenkästen und frisch gestrichenen rostbraunen Geländern. Oravita ist Knotenpunkt dreier Bahnstrecken, hier treffen die Linien aus Iam, nahe der serbischen Grenze, die Strecke aus Timisoara und die Aninabahn zusammen. Hinter einem Glaskasten hängen die mühevoll von Hand gezeichneten Fahrpläne. Unser Zug nach Anina soll in zwei Stunden abfahren. Zeit genug sich etwas umzusehen, rund um den Bahnhof gibt es nicht viel, eine kleine Restauration, ein Gemüsemarkt und ein Bahnbetriebswerk. Anna entscheidet sich, am Bahnhof zu bleiben und das rege Treiben zu beobachten. Ich erkunde das Bahnbetriebswerk, finde alte Dampfloks und zerfallene Lokschuppen.

Im Gepäckabteil des Regio-Trans Schnellzug von Timișoara nach Oravita

Frühmorgens im Bahnhof Timișoara Nord Im Regio-Trans Schnellzug von Timișoara nach Oravita Verwachsene Signale nahe Berzovia

Der etwas zerfallene Bahnhof von Tirol

Kinderwagen auf rumänisch ;) Die erste Klasse der Regio-Trans Züge zwischen Oravita und Timișoara bietet mit ihren alten Sofasesseln immer noch viel Komfort Station Gradinari Caras

Vor einigen Jahren fuhr dieser Triebwagen noch durch Frankreich

Ausrangierte Dampflok im Depot von Oravita IMG 6090ev Diesellokomotive der CFR für die Aninabahn im Depot von Oravita

Unterwegs auf der Banater Semmeringbahn

Nun ist es endlich soweit, ein graublaues Ungetüm in Form einer Diesellok der rumänischen Staatsbahn CFR stellt den Zug nach Anina bereit. Zwei blassblaue Waggons hat sie am Haken, angeblich über 100 Jahre alt. Moderne Waggons sind länger und können daher die engen Kurvenradien der Aninabahn nicht passieren. Die Wagen haben Holzbänke, für den Winter sogar einen Kohleofen und sind liebevoll in Schuss gehalten. Der Schaffner begrüßt mich kurzerhand per Handschlag und erklärt, dass wir Fahrkarten später im Zug bei ihm bekommen.

Die Aninabahn führt von Oravita nach Anina und wurde in den Jahren 1861 bis 1863 unter der Leitung des österreichischen Ingenieurs Karl Dülnig gebaut. Auf ihn geht auch der Name Banater Semmeringbahn zurück. Hat er 9 Jahre zuvor doch den Bau der großen Schwester, der österreichischen Semmeringbahn von Gloggnitz über den Semmering bis Mürzzuschlag geleitet. 

Grund für den Bau der normalspurigen Bergbahn, die im Osten der damals österreichisch-ungarischen Monarchie, im jetzigen West-Rumänien liegt war, die Kohle von den Gruben aus dem Karpatenbogen an die Donau zu befördern. Die Bahn hatte auch die Aufgabe den Uranbergbau zu erschliessen. Noch heute sieht man unzählige Anschlussgleise zu den Bergwerken und sogar die Reste einer Uranschüttrampe. Für den Güterverkehr wurde die Bahn 1863 und für den Personenverkehr 1869 eröffnet. Für ihren Weg von Oravita bis Anina überwindet sie 339 Höhenmeter bei einer Streckenlänge von 33 Kilometern. Dabei werden 14 Tunnel durch- und 10 Viadukte überfahren.

Während der Fahrt rennen immer wieder Hunde hinter dem Zug her, die Türen lassen sich öffnen und die offenen Türen im letzten Wagen bieten einen freien Blick auf die Strecke. Ich verbringe die meiste Zeit am offenen Fenster und genieße den Ausblick. Bezahlen muss ich hierfür allerdings mit mehreren Kratzern und Schrammen im Gesicht, verursacht durch an die Waggongs knallende Äste. Es ist eben eine echte Waldbahn ;)

Ich schwelge in Gedanken, lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen und genieße eine Eisenbahn, wie sie bereits mein Großvater und Urgroßvater erlebt haben müssen.

Kurz vor Anina durchfährt der Zug ein zerfallenes, schon seit Jahren verlassenes Bergwerk, nur der Sowjetstern trohnt wie einst völlig unbeirrt jeglichen Zerfalls am Gibel des noch zur Hälfte intakten Verwaltungsgebäudes.Nach zwei Stunden Fahrt für 33 Kilometer Strecke erreichen wir Anina. Hinter dem durchaus pömpösen, blassgelb verklinkerten Empfangsgebäude begrüßen uns Hühner, Pferde und Hunde Die Luft hier oben ist kühler, klarer und erfrischend. Wir freuen uns auf zwei Nächte Abgeschiedenheit, während sich nach einem schnellen Rangiermannöver die Lokomotive mit ihren zwei Waggons über die Aninabahn bereits wieder auf Talfahrt in Richtung Oravita begiebt.

Abfahrt!

Im Bahnhof von Oravita Zwischen Oravita und Anina Die Aninabahn führt von Oravita nach Anina

An vielen Stellen sind die Schienen bereits nicht mehr zu erkennen

Die intakte und bis auf Rostspuren sogar sehr saubere Toilette Fahrkarten werden im Zug verkauft und noch von Hand geschrieben Im Winter wird mit Feuer geheizt

Zwischen Oravita und Anina mit Panoramablick auf die Banater Berglandschaft

Zwischen Oravita und Anina mit Panoramablick auf die Banater Berglandschaft Haltepunkt Lisava Ein Blick zurück auf die verwachsenen Schienen

Im Inneren der alten Waggons

Auf einem der zahlreichen ViadukteEin Tratsch am WegesrandZwischen Anina und Oravita

Panoramablick auf die Banater Berge

Reste eines ehemaligen Bergwerks in AninaBlick aus dem letzten WagenReste eines ehemaligen Bergwerks in Anina

Zerfallene Bergwerke säumen die Strecke

Das schmucke Bahnhofsgebäude von Anina Der Schaffner wartet auf die Ankunft in Anina Ankunft in Anina. Wenige Minuten nach Stillstand beginnt das Rangiermanöver für die Rückfahrt

Das schmucke Bahnhofsgebäude von Anina

Ankunft in Anina. Wenige Minuten nach Stillstand beginnt das Rangiermanöver für die Rückfahrt Ankunft in Anina. Wenige Minuten nach Stillstand beginnt das Rangiermanöver für die RückfahrtAnkunft in Anina. Wenige Minuten nach Stillstand beginnt das Rangiermanöver für die Rückfahrt


 

Unser Anreisetipp:

Für die Anreise aus Deutschland empfiehlt sich die Fahrt im Nachtzug bis Budapest und von dort aus im Tageszug bis Timisoara. Hier sollte eine Übernachtung eingeplant werden. Am nächsten Morgen gibt es eine Regio-Trans Regionalzugverbindung mit Umstieg in Berzovia bis Oravita, dem Startbahnhof der Aninabahn. 

 // Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


Unsere Linktipps:

Infos und Fahrpläne der Regio-Trans Züge auf www.regiotrans.ro

Infos und Fahrpläne der Rumänischen Staatsbahn CFR auf www.cfrcalatori.ro

Hotels in Timisoara auf www.booking.com

Hotels in Oravita auf www.booking.com

 

 

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