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Per Schlafwagen nach Polen   I  Unterwegs im EuroNight Jan Kiepura 


Verfasst und erlebt von: Tobias Letzte Aktualisierung am 22.12.2015

KÖLN, DEUTSCHLAND - WARSCHAU, POLEN

Es ist 22 Uhr, ein kalter Dezemberwind weht über den Bahnsteig Sieben des Kölner Hauptbahnhofs. Die mächtige Hallenkonstruktion aus Stahl und Glas schützt die wartenden Menschen wie ein großer Regenschirm vor den Schauern und dem Sturm der draußen tobt. Wir warten auf unseren Nachtzug nach Warschau, der momentan mit fünf Minuten Verspätung angekündigt ist.

Aus fünf werden schnell fünfzehn, aus fünfzehn dreißig und aus dreißig fünfzig Minuten, die wie ein kleiner Zug über das weiße Band am blauen Zugzielanzeiger laufen. Am Ende sind es achtzig Minuten Verspätung, als um kurz vor Mitternacht der EuroNight Jan Kiepura in die Bahnsteighalle einfährt. Wenn man es genau nimmt, sind es eigentlich nur drei Waggons, ein polnischer Schlaf-, ein deutscher Liege,- und nochmal ein polnischer Sitzwagen, die wiederum mit ein paar anderen Wagen mit dem Ziel Prag an einer Lok auf dem Weg nach Berlin hängen.

Wir haben in Wagen 180 reserviert, dem Schlafwagen der polnischen Staatsbahn PKP, der sich als erster hinter der Lok an der Spitze des Zuges befindet. Weit außerhalb der großen Bahnsteighalle vor der Türe des königsblauen Waggons wartet ein herzlicher, grauhaariger Schlafwagenschaffner in perfekt sitzender Uniform auf seine Gäste. Einzig die weinrote Mütze hält den Regen noch etwas von dem völlig durchnässten Schaffner ab. Wir werden herzlich begrüßt und noch nach den Kaffee- oder Teewünschen für den nächsten Morgen gefragt, bevor wir nun das Abteil beziehen können. Ein verhältnismäßig geräumiges Zimmerchen mit zwei Stockbetten, einem kleinen Waschbecken, Kleiderschrank und Mini-Wandschrank, gefüllt mit Wasser und Schokocroissants, sowie einem kleinen Hygieneset, bestehend aus Mini-Handtuch, Seife und Ohrstöpseln. Die Betten sind schneeweiß überzogen und die Wände leuchten maisgelb, nur die Matratzen könnten etwas dicker sein. Wir dimmen das Licht, öffnen die Rollos und eine Flasche Wein und genießen den Ausblick auf das vorbeiziehende Ruhrgebiet. Wuppertal ist der letzte Bahnhof, den ich bewusst hinter dem Fenster wahr nehme. Ich träume dem Ziel entgegen und das monotone Rattern der Gleise unter uns wird immer leiser.

Am morgen weckt uns die Sonne durch das Abteilfenster und ein erster Blick aus selbigem lässt erkennen, dass wir uns in Berlin befinden. In der Nacht ist uns die Zeit davon gefahren, mittlerweile haben wir eine stolze Zahl an Verspätung angesammelt: 130 Minuten! Im Zug weiß keiner so wirklich Bescheid warum und vor allem wann es weiter geht. Aber wir haben ja Zeit, legen uns wieder hin und genießen die Ruhe des stehenden Zuges, um weiter zu schlafen. Abrupt werden wir durch einen dumpfen Knall geweckt, entweder sind wir irgendwo dagegen gefahren oder der Berliner Rangierer hat sich einen Spaß daraus gemacht, die Fahrgäste am frühen Morgen unsanft zu wecken. Zum Glück war letzteres der Fall und es ist ihm gelungen, mit seinem Mannöver den ganzen Waggon aufzuwecken. Durch die hohe Verspätung hängen nun unsere drei Kurswagen außerplanmäßig am Ende des Berlin-Warszawa-Express und als ich das bemerke, ist die Freude groß. Warum? Wir haben jetzt einen Speisewagen im Zug und die Aussicht auf frisch gebrühten Kaffee und ein Frühstück! Also lassen wir uns einen Schlüssel für das Schlafwagenabteil geben und machen uns während unser Zug gerade die Odergrenze passiert auf die Reise von Wagen zu Wagen bis an die Spitze des Zuges in den polnischen Speisewagen. Fast alle Plätze sind belegt, wir erwischen noch den letzten freien Tisch und genießen bei Schwarztee und frischem Rührei den Start in den Tag. Die letzten Stunden, bis wir gegen 14 Uhr die polnische Hauptstadt Warschau erreichen, verbringen wir gemütlich im Bett, während die flache polnische Landschaft an uns vorbeizieht. Wir lieben es einfach, dieses Nachtzugfahren!

Köln Hauptbahnhof Laufweg des EuroNight Jan KiepuraUnser Schlafwagen bei der Einfahrt im Kölner Hauptbahnhof

Zugziel Warschau

Im Schlafwagen der polnischen Staatsbahn PKP

Im Schlafwagen der polnischen Staatsbahn PKP Im Schlafwagen der polnischen Staatsbahn PKP Unter dem Tisch versteckt sich ein kleines Waschbecken

Die Odergrenze bei Frankfurt an der Oder

Im Schlafwagen der polnischen Staatsbahn PKP

Im Speisewagen des Berlin-Warszawa-Express Im Speisewagen des Berlin-Warszawa-Express Frühstück im Speisewagen des Berlin-Warszawa-Express

Tea-Time

Das polnische Flachland wenige Kilometer vor Warschau

Im Schlafwagenaufpreis ist auch ein Kaffee oder Tee mit dabei ;-) Wir verabschieden uns von unserem Schaffner und erreichen... Die polnische Hauptstadt Warschau

 


Nächster Teil:  Ein Tag in Krakau (folgt in Kürze)


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus erreicht man die polnische Hauptstadt Warschau per Schiene schnell und bequem. Es gibt viele Direktverbindungen mit dem Berlin-Warszawa-Express. Täglich verkehrt auch der von uns genutzte EuroNight Jan Kiepura von Oberhausen durch das Ruhrgebiet bis Warschau. Die Betten der polnischen Schlafwagen sind zwar etwas hart, dafür aber die Abteile sehr geräumig. und sauber. Empfehlenswert sind  auch die günstigen Ruhesesselwagen mit 2 plus 1 Bestuhlung und Liegesitzen.

 // Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


 

Unsere Linktipps:

Mehr über den EuroNight Jan Kiepura auf www.seat61.com

Günstige Hotels in Warschau auf www.booking.com

Günstige Hotels in Krakau auf  www.booking.com

 

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