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Eine Nacht auf der Adria  Ι  Mit der Liburnija von Split nach Rijeka


Verfasst und erlebt von: Tobias Letzte Aktualisierung am 29.06.2014

SPLIT - RIJEKA, KROATIEN

2012 - Es ist ein heißer Sommerabend im August. Wir blicken im Hafen von Split auf die weite See gen Montenegro und das offene Mittelmeer, in der Hand zwei Tickets für die um 18 Uhr ablegende Passagierfähre von Split nach Rijeka. Es ist bereits 19:30 Uhr und weit und breit am Horizont kein Schiff zu sehen. Wir warten.

Um 20 Uhr ertönt ein dumpfes Horn und weit entfernt zeichnen sich, langsam größer werdend, die Umrisse eines Schiffes auf dem Wasser ab. Wenige Minuten später können wir uns sicher sein, dass unsere Fähre endlich auf uns zu hält. Im letzten Licht der untegehenden Sonne läuft die 1965 gebaute MF Liburnija der Jadrolinija, der ehemals staatlichen jugoslawischen Schifffahrtsgesellschaft, in den goldgelb erleuchteten Hafen von Split ein.

Alles läuft routiniert, die Manschaft wirft die Leinen aus und die klapprige Gangway knallt auf den vor Licht glühenden Asphalt. Wir steigen ein, erklimmen ein wirres Treppengewirr und erreichen die mintgrüne Rezeption. Gegen Vorlage der Tickets erhalten wir Frühstücksgutschein und den Schlüssel zu unserer antiquierten Kabine.

Blick auf die schmucke Altstadt von Split Die Gangway ist eine wacklige Angelegenheit Luxusjachten im Hafen von Split

Die Liburnija iläuft in den Hafen von Split ein

Die Sonne versinkt in der Adria Letzte Vorbereitungen im Schiffsrestaurant vor dem Abendessen Das frische Abendessen: Ein Meeresfrüchtesalat

Maisgelbe Gänge, Tür neben Tür und türkisfarbene Holzrahmen. Nach längerer Suche endlich die Nummer 302 auf einem rostigen Emailschild, wir haben unsere Kabine gefunden. Stehende Luft in dem kleinen Raum, hölzerne Betten, ein Sekretär und ein weinroter Teppichboden, der unter den nackten Füßen kratzt. Wir befinden uns im Bauch des Schiffes und unser einziger Kontakt zur Außenwelt ist das runde, verrostete Bullauge über dem Bett. Würde der Blick hinaus nicht die scharfgeschnittenen, modernen Yachten reicher Russen im Hafen zeigen, könnte man glauben, sich in den 1960er Jahren aufzuhalten. Hinter einer schmalen Türe verbirgt sich das Badezimmer. Stählerne Wände mit blätterndem Lack umschließen einen großen Duschraum, der gleichzeitig als Toilette und Waschbecken fungiert.

Die Motoren brummen, lassen das ganze Schiff vibrieren und ein zweites Mal erklingt das Horn. Wir legen ab! Das Goldgelb des Abendhimmels ist mittlerweile dem Samtblau einer klaren Nacht gewichen. Die Fähre nimmt langsam an Fahrt auf, der Wind zersaust uns auf Deck die Haare. Gemächlich gleitet das Schiff dahin, ein Echo vergangener Zeiten, das täglich über die Adria schippert.

Wir besuchen das modäne Schiffsrestaurant. Ein Hauch von Titanic liegt in der Luft, Kellner mit schwarzen Anzügen und eleganten Fliegen servieren größzügig beladene Teller auf schweren Tabletten. Ein Kellner führt uns an den Tisch. Frischer Meeresfrüchtesalat und eine Balkanfleischplatte runden den Abend in dieser unwirklichen Umgebung ab. Wären wir nicht ein kleiner, unauffälliger Teil in einem großen Haufen bunt gekleideter Pauschaltouristen, würden wir uns mit Shirts und Polohemd underdressed und unpassend vorkommen, wie Filmstatisten, die sich auf das falsche Set verirrt haben und die nichts darstellen können, was Teil dieser eleganten Welt der großen Interkontinentalkreuzer ist. Es scheint, als schippert in diesem Schiff eine Ära über die kroatische Adria, die in der Außenwelt längst vergangen ist, hier auf dem Schiff - zusammengehalten von neunzig auf siebzehn Metern - jedoch immer noch nicht enden will.

Alter Sekretär in der Kabine Das karge Badezimmer Der Mond spiegelt in der Adria 

Die Doppelkabine mit zwei Stockbetten

Frühmorgens auf Deck Das Frühstück Ankunft im tristen Rijeka

Gegen Mitternacht fallen uns die Augen zu, wir kehren in unsere Kabine zurück und schlafen, den Kopf voll von Kreuzfahrtromantik, in der vom Vollmond hinter dem Bullauge grau erleuchteten Kabine ein.

Am nächsten Morgen reißt uns der Wecker gegen 6:30 Uhr unsanft aus dem Schlaf. Während wir beim Frühstück sitzen zieht an den Fenstern des Frühstückssaales bereits die Vorstadt des schmucklosen Rijekas vorbei, in die wir eine Stunde später einlaufen. Die Kellner sind hektisch und die Zuspätkommer werden nicht mehr zum Frühstück eingelassen. Die schwarzen Anzüge der Kellner sind Poloshirst und ergrauten Snikern gewichen. Morgens kommt uns die Atmosphäre des Schiffs kälter und rationaler vor, der vergangene Abend verkommt weniger zur Erinnerung als zu einem Traum, ein Traum an vergangene Seefahrtszeiten. 

 



Unser Anreisetipp:

Die Anreise auf der Schiene ist zwar nicht gerade schnell, dafür aber komfortabel undd voller Panoramablicke auf eine tolle Landschaft. Es verkehren täglich direkte Nachtzüge von München nach Zagreb. Von dort aus gibt es Tages- und auch eine Nachtverbindung nach Split. Wir empfehlen euch einfach einen Aufenthalt in der schönen Stadt Zagreb einzuplanen Catania. Direkte Fahrkarten sind online bis Zagreb buchbar. Für das Reststück empfiehlt sich der Fahrkartenkauf vor Ort  in Zagreb bei der Kroatischen Staatsbahn (HZ).

Mehr Infos zum günstigen Bahnfahren findet Ihr unter bahn.weltenfinder.de

Für alle die nicht nach dem Motto "der Weg ist das Ziel" reisen, empfiehlt sich die Anreise per Flugzeug. Die Lufthansa fliegt zum Beispiel ab Frankfurt in einer Stunde und 40 Minuten nach Split.

Günstige Flüge innerhalb Europas auf www.lufthansa.de


Unsere Linktipps:

Günstige Unterkünfte in Split auf www.booking.com

Günstige Unterkünfte in Rijeka auf www.booking.com

Informationen zur Region Dalmatien & Split auf www.croatia.hr

 


  DKB kl  

Unser Tipp:                                                                                            Anzeige

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