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Schienenleben in Georgien  I  Im Führerstand von Batumi nach Tbilisi


Verfasst und erlebt von:  Tobias Letzte Aktualisierung am 07.03.2016

BATUMI - TBILISI,  GEORGIEN

Auf dem Landweg in den Kaukasus  -Wir stehen weit abseits der Innenstadt in Makhindshauri, einem Vorort Batumis, dessen Häuser nichts von Großstadt haben, sondern in einer Mittagshitze vor sich hin dampfen, die alles Leben in den Schatten oder die kühlenden Fluten des Meeres drängt. Rote Plastikstühle liegen wie Murmeln verstreut auf der milchig-grünen Rasenfläche neben den Gleisen, von denen der Geruch nach erwärmten Metall ausgeht.

Eine magere Kuh, von der Sonne an die Rückseite der wackligen Imbissbude verjagt, stöbert mit der Schnauze in der trockenen Erde auf Suche ein paar Bissen, die nach mehr als Staub und hoch sommerlichen vierzig Grad schmecken. Aufgeregtes Geschnatter wabert von der Straße träge durch die dicke Luft zu uns herüber, wo eine aufgekratze Hühnerschar von einer Seite der Straße auf die andere wechselt, bei jedem vorüberziehenden Fahrzeug aufgeregt mit den Flügeln schlagend.

Mit einem Hechtsprung wechseln wir vom Schatten der Imbissbude in den Schatten des Bahnhofsgebäudes. Vor uns liegt ein mehr oder weniger futuristischer Bau mit dreieckig gewölbten Dach, viel Blech und verblichenem Glas. Der Bahnhof von Batumi wirkt eher unscheinbar. Die Eisenbahn hat in Georgien einen hohen Stellenwert, doch während der Gütervekehr, inbesondere die Öltransporte von Aserbaidschan an die Häfen von Poti und Batumi ein wichtiges Standbein der Georgischen Wirtschaft darstellt, spielt der Personenverkehr eine untergeordnete, schon fast unbedeutende Rolle.

Während wir am Fahrkartenschalter Tickets kaufen, töst ein schwerer, nicht enden wollender Ölzug nach dem anderen an uns vorbei - der Boden vibriert noch minutenlang nach, während wir uns über die letzten freien Platzkarten im Nachmittagszug nach Tbilisi freuen.

Einen Katzensprung vom Bahnhof entfernt liegt der Steinstrand am Schwarzen Meer, es gibt keine offiziellen Wege dorthin, alles wird über die Gleise gehieft, ein typisches Bild sind Strandgänger, bepackt mit Sonnenschirm und Klappstühlen, die am Rand der Schienen warten, bis die langen Güterzüge sie passiert haben. Trotz des vielen Verkehrs, werden die Gleise sogar als Fußweg genutzt. Wir lassen uns am Strand nieder, genießen die Sonne und die vorbeifahrenden Güterzüge.

Bereits eineinhalb Stunden vor Planabfahrt finden wir uns wieder am Bahnhof ein, ein kleines, improvisiertes Cafe auf einer Wiese direkt am Bahnsteig lädt uns ein, hier zu verweilen, während am Bahnsteig noch der Nachtzug nach Yerevan in Armenien abgefertigt wird. Wir widmen uns wie so oft unserer Lieblingsbeschäftigung, wir beobachten das Treiben der Menschenmenge. Eigentlich sollte unser Schnellzug ja um 16:40 Uhr planmäßig abfahren. Um 16:15 Uhr wird der Zug bereitgestellt, wir steigen ein und wie zu erwarten war: "Pünktlich" Zehn Minuten vor Plan setzt sich der Zug in Richtung Tbilisi in Bewegung. Die erste Klasse der breitspurigen, modernen, sogar mit Wifi ausgestatteten Triebwagen aus China ist großzügig gestaltet. Die Sitze lassen sich verstellen und bieten ausreichend Beinfreiheit. Auf der linken Seite zieht das Schwarze Meer an den Fenstern vorbei, auf der rechten die ein oder andere Villa als letzte Ausläufer der Großstadt. Nach einer halben Stunde biegen wir ins Landesinnere ab, verabschieden uns geistig vom Schwarzen Meer und freuen uns auf die Hauptstadt. Während die erste Zeit die sattgrüne Landschaft noch flach ist, schlängelt sich der Zug langsam immer mehr durch eine kurvenreiche Felsenlandschaft mit reissenden Flussläufen und schlammigen Abhängen.

Einige Zeit stehe ich hinter der geöffneten Führerstandstür und beobachte gespannt die Landschaft, bis mich plötzlich der Lokführer und sein Begleiter entdecken. Sie sehen meine Kamera und zeigen auf diese, während ich anfangs die Zeichen der beiden nicht so recht deuten kann und unsere Sprachen auch keinen Konsens finden, werde ich schon fast an den Händen nach vorne gezogen, es wird mir deutlich signalisiert, man könne doch durch die Frontscheibe viel besser fotografieren. Auf georgisch wird mir mit stolz geschwellter Brust und vielen Gesten der ganze Triebwagen erklärt und präsentiert - sogar der Beifahrersitz wird kurzerhand für mich frei geräumt. So genieße ich die Fahrt bis Einbruch der Dunkelheit ganz vorn mit Panoramablick.

So schnell die ersten beiden Drittel einer Zugfahrt meist vorübergehen, so langwierig ist meist das letzte Drittel. Müdigkeit macht sich breit in den Abteilen und auch der Magen beginnt sich langsam zu Wort zu melden. Zwar gibt es in der Mitte des Zuges einen kleinen Automaten, der Kaffee und Snacks verkauft, doch beschränkt sich die Speiseauswahl auf trockene Kekse mit Zuckerüberzug. Nun lauern wir an jedem Halt auf die Verkäuferinnen am Bahnsteig, die wir bereits vom Fenster aus entdeckt haben. Allerdings ohne Erfolg. Der Türbereich steht voller Menschen und bereits nach wenigen Minuten schließen wieder die Türen. So erreichen wir nach fünf Stunden Fahrt und etwa einer viertel Stunde Verspätung die Hauptstadt Tbilisi

Batumi

Der Bahnhof Makhindshauri Am Fahrkartenschalter Unsere Tickets

Die Bahnstrecke verläuft einige Meter direkt am Strand entlang

Einer der vielen Ölzüge in Richtung Hafen Trotz der vielen Züge werden die Gleise gern als Fußweg umfunktioniert Der Nachtzug nach Armenien verkehrt etwa eine Stunde vor dem Expresszug nach Tbilisi

Am Bahnsteig, Makhindshauri

Am Bahnsteig, Makhindshauri Am Bahnsteig, Makhindshauri Am Bahnsteig, Makhindshauri

Hier steht Tbilisi - Batumi

Die erste Klasse im chinesischen Triebwagen Blick aus dem Fenster Das Schwarze Meer

Zu Besuch im Führerstand

Zu Besuch im Führerstand Schienenleben in GeorgienZu Besuch im Führerstand

Proviant gibt es am Bahnhof

Bald erreichen wir Tbilisi Blick aus dem Fenster Tbilisi Hauptbahnhof

Tbilisi Hauptbahnhof


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus können Eisenbahnerprobte Georgien durchaus per Schiene und an einigen Abschnitten mit dem Bus erreichen - man sollte allerdings sehr viel Zeit mitbringen. Empfehlenswert ist die Direktverbindung mit dem Optima-Express bis Edirne und von dort aus im Bus oder Bahnnahverkehr bis Istanbul, weiter im Expresszug bis Erzurum und von dort aus per Bus in Richtung Georgien. Von Batumi verkehren zwei Tageszüge und ein Nachtzug nach Tbilisi. Seit Juni 2015 gibt es in Batumi auch einen neuen Hauptbahnhof, der deutlich näher an der Innenstadt liegt.

 // Bahntickets //  Hier findest du nationale & internationale Bahn-Sparpreise 


 

Unsere Linktipps:

Informationen zum Bahnfahren in Georgien & Aserbaidschan auf www.seat61com

Die Georgische Staatsbahn auf www.railway.ge

Günstige Unterkünfte in Tiflis auf www.booking.com

 

 

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