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Das Musée de la Piscine in RoubaixI Kunst aus Licht, Kultur und Zeitgeschichte


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 30.06.2015

ROUBAIX,  FRANKREICH

NPDC 2015 I Industrielles Erbe mit Überraschungen  - Zugegeben - mit gutem Essen fängt man uns. Mit Esskultur, die regionale Gerichte und entspanntes Espresso-Trinken zur Grundlage hat, sowieso. Stilechter als im Harold's Food and Coffee in der Innenstadt von Roubaix hätte unsere Reise durch Nordfrankreich nicht beginnen können. Durch die hellen Fenster lässt sich der sonnenüberflutete Platz vor dem Gebäude gut beobachten, wir verteilen uns auf den Palettenmöbeln und holen zu Tarte, grünem Salat und Graupenrisotto ein paar erste Informationen über die kommenden vier Tage ein.

Wir sind in Roubaix, einer Stadt in der Region Nord-Pas-de-Calais, einen Katzensprung entfernt von der belgischen Grenze. Knapp zehn Kilometer von Lille entfernt, wo wir eine Stunde zuvor per Kleinbus vom Bahnhof abgeholt wurden. Wer den Straßenzügen der 90.000 Einwohner starken Stadt zuhört, dem erzählen die barocken und neo-klassischen Fassaden, die Zinnen und Türmchen, der rostbraune Backstein gerne schnell davon, dass man sich in einer Herzfaser des ehemaligen Textilzentrums Frankreichs befindet. Die "Stadt der Tausend Schornsteine" hat einen mittelalterlichen Kern, ist an der Oberfläche jedoch durch und durch Industriestadt des neunzehnten Jahrhunderts. Die Sonne setzt die Straßenzüge heute in vorteilhaftes Licht. Die Stirnseite der Stadt wirkt glänzend, in strahlendem Weiß und leuchtendem Rot. Die Hauptstraße wird eingerahmt durch das Rathaus, ein beeindruckendes Beaux-Art-Gebäude aus dem zwanzigsten Jahrhundert, und dem Bahnhof mit der stilechten Campanile. Dazwischen tragen die renovierten Stadthäuser barocken Stolz zur Schau. Das alles wirkt stark aufpoliert, doch unter der glänzenden Oberfläche - das werden wir schnell zwischen den Zeilen lesen können - verbirgt sich eine durch und durch authentische Stadt in einer authentischen Gegend.

Straßencafe Harold's, im Hintergrund die National School of Textile Engineering Palettenmöbel im Harold's Das Rathaus von Roubaix im Beaux-Art Stil aus dem 20 Jahrhundert

Résistance-Denkmal an der Avenue Jean Lebas Restaurant Meert, integriert in das Musée La Piscine Im Garten des Musée d'Art et d'Industrie André Diligent (oder auch La Piscine genannt)

Musée La Piscine, Roubaix

Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

Nach dem Essen schlendern wir am Denkmal der Résistance vorbei. Ein angenehm kühlender Wind streicht durch die Begrünung. Einheimische sitzen klischeegerecht auf der Terrasse des Cafés, entspannen zu Mittag und trinken Espresso. Auf der Straße gibt es wenig Verkehr. Vor einer rostroten Fassade biegen wir durch einen bunt beklebten Eingang in einen kleinen Vorhof, in dem es nach Gänseblümchen riecht. Kinder im Grundschulalter rennen über die Rasenflächen oder sitzen mit Blöcken im Gras. Ein Paradebeispiel französischer Herzlichkeit kommt uns entgegen, stellt sich als Marie-Chantal vor und verteilte eine Runde warmen Händedruck. Marie ist der Guide, der uns die nächste Stunde durch eine der Highlights unserer Frankreich-Reise führen wird.


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Um im Musée de la Piscine große Augen zu bekommen, muss man kein Fan pompöser Kunstobjekte sein. Auch wer den Installationen und künstlerischen Werken weniger abgewinnen kann als dem Gebäude selbst, wird sich von der Atmosphäre der ehemaligen Badeanstalt schnell ergreifen lassen. Seit den 1920ern bot das Schwimmbad den Arbeitern der Stadt einen Ort der Hygiene, der Erholung und des Sports. 1985 wurde das Chlor zu gefräßig und setzte der Bausubstanz der Decke stark zu, der Betrieb musste eingestellt werden. Fünfzehn Jahre später verlegte Roubaix ein Kunstmuseum in den Komplex, ohne die ursprünglichen Strukturen oder die Architektur zu verändern. Heute präsentieren sich in den Umkleide- und Duschkabinen Kunstobjekte der Dauerausstellung - Exponate aus der Industrialisierungszeit, Textilmuster und -Fabrikate aus mehr als einem Jahrhundert regionaler Textilgeschichte und Kunstwerke lokaler und internationaler Künstler. Wer tiefer in die Geschichte des Gebäudes als Badeanstalt blicken will, kann sich zeitgenössische Badewannen, ein paar wenige Fotografien und - von einem touristenkonformen Buch- und Souvenirshop aus - die original erhaltenen Wasserboiler angucken.

Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

In der Schwimmhalle - die eigentliche Seele des Gebäudes - ist es, als würde die Epoche des Art Décos und des Jugendstils direkt in die Gegenwart greifen. Wir fühlen uns von Licht und Atmosphäre in eine dicke, schwärmerische Wolke gehüllt, von der auch Marie angesteckt zu sein scheint. Mit leuchtenden Augen deutet sie auf die zwei orang-gelben, fächerförmigen Fensterrosen, die je den Sonnenauf- und Untergang einfangen und innerhalb der Halle in elegantes, warmes Licht verwandeln. Japonismus, erklärt uns Marie, genauso wie der blaue Mosaik im Beckenrand, der sich um den Wasserspeier windet. Eine Hommage des Architekten Albert Baerts an den japanischen Maler Hokusai. Auf Baerts kommt Marie mehrmals mit so viel Begeisterung zu sprechen, dass ich sofort annehme, dass es sich dabei um eine Art Lokalheld handeln muss. Ich neige nicht zu Romantisierungen, aber mit Baerts scheint es wie mit der ganzen Gegend zu sein - hier wurde nicht nur viel von den Menschen, sondern vor allem auch viel für die Menschen getan, viel für die Arbeiter. Die Identifikation mit der Textilindustrie, mit ihrer Geschichte, ihrem Ethos, ihrer Struktur, ihren Erscheinungsformen, scheint sich durch die Generationen bis in die Neuzeit gehalten zu haben. Die Menschen heute sind immer noch das, was die Industriegeschichte aus der Gegend gemacht hat - und stolz darauf, jedem wirtschaftlichen Einbruch zum Trotz.

André Diligent, ehemaliger Bürgermeister von Roubaix und Namenspatron des Museums Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

Zugang zu den Badewannen (Musée La Piscine, Roubaix)

Badewannenkabine für die Damen Badewannenkabine für die Herren Im Muesumsshop

Wir schlendern auf den dunklen Stegen am Beckenrand entlang, wo meine Nase ständig versucht, den Geruch von Chlor in der Luft aufzuspüren. Zu beiden Seiten räkeln sich Marmor- und Steinfiguren ohne mir ersichtliche Systematik und unterschiedlichster Formen und Größen. Infotafeln gibt es - natürlich - mal wieder nur auf Französisch. Als eine Herde aufgedrehter Schulkinder die Badehalle erstürmt, flüchten wir auf die obere Etage, auf der hinter einer verglasten Galerie schwere Bücher mit Textilmustern, Ölgemälde und Kleidungsstücken aus regionaler Herstellung zu sehen sind. Marie zeigt auf die Balkonreihung über uns und erzählt - wieder mit dieser Begeisterung für die Sache in der Stimme und in den Gesten - dass sich dort zu Zeiten des Badebetriebs die Begleiter der Badegäste in ihrer Straßenkleidung aufhalten konnten. Ich falle vor Schreck beinahe von der Brüstung, als plötzlich Kindergeschrei in Festivallautstärke um uns herum ausbricht. Marie grinst breit und deutet auf die Lautsprecher. Stimmen vom Band zur Unterstreichung der Atmosphäre. Wem der Chlorgeruch fehlt, der kann sich so wenigstens anhand der Akustik den Badealltag in der Halle vorstellen.

Im Inneren des ehemaligen Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix) Im Museumsrestaurant Meert (Musée La Piscine, Roubaix) Der alte Eingang des Schwimmbades (Musée La Piscine, Roubaix)

 Am Ausgang (Musée La Piscine, Roubaix)

Als wir später wieder ins Sonnenlicht treten, sind wir immer noch gefesselt vom Anblick und der Atmosphäre der Badehalle. Das Musée de la Piscine ist eines jener Stücke Zeitgeschichte, die dem Besucher mehr als nur ein höfliches, respektvolles Nicken entlocken. So wie die ganze Gegend ist das von außen etwas unscheinbar wirkende Gebäude vor allem für Interessierte von Kunst, Kultur und der Epoche der Industrialisierung attraktiv. Am meisten Freude werden vor allem die finden, die einen Blick für Details und Herzblut haben.

 


Nächste Station:  Die Villa Cavrois in Croix I Moderne in Form einer Villa

Vorherige Station:  High Speed nach Nordfrankreich


 

Unser Anreisetipp:  

Von Mittel- & Nordeutschland aus erreicht man Lille und Roubaix am besten mit dem Hochgeschwindigkeitszug Thalys ab Köln oder dem ICE International ab Frankfurt am Main. Von Brüssel aus empfiehlt sich der TGV, der Lille Europe nach gerade einmal 34 Minuten Fahrzeit erreicht. Ab Süddeutschland besteht auch die Möglichkeit Lille per TGV mit Umstieg in Paris zu erreichen. 

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Unsere Linktipps:

Günstige Unterkünfte in Lille auf www.booking.com

Günstige Unterkünfte in Roubaix auf  www.booking.com

Informationen zum Museum auf www.lilletourism.com

Die Region Nord-Pas de Calais auf www.rendezvousenfrance.com

Die Region Nord-Pas de Calais auf  www.nordfrankreich-tourismus.com

 


Vielen Dank an Atout France , die uns zu dieser Reise nach Nord-Pas de Calais eingeladen haben.

 

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