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IN BUDAPEST Ι DONAUROMANTIK IN DER BRÜCKENSTADT


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 16.05.2014

WIEN, ÖSTERREICH - BUDAPEST, UNGARN

Osteuropa 2013 - Freitag, 16. August 2013

Die Schläfrigkeit am nächsten Morgen lässt sich nur mit einer erfrischenden Dusche im Badezimmer des Abteils vertreiben. Noch etwas wortkarg mümmeln wir unser Frühstück – Kaffee, weiße Brötchen, Wurst, Käse, Fruchtjoghurt und Instant-Organgensaft – in uns hinein und betrachten die am Fenster vorbeiziehende Landschaft.

Überpünktlich erreichen wir kurz vor neun Uhr den Westbahnhof von Wien. Wir schauen auf einen Kaffee in der dortigen Lounge vorbei, einem kleinen, gemütlichen Raum mit weichen Sesseln, und besteigen kurz darauf die erste Klasse des Railjets , der uns nach Budapest bringen soll. Am Fenster zieht eine flache, grüne Landschaft vorbei, die hin und wieder hell gesprenkelt ist von den langen Bahnen gekiester Straßen und den weißen Dächern niedriger Häuschen. Nach einem kurzen Gespräch mit unseren Sitznachbarn, einem älteren, in Rumänien lebenden Ehepaar aus den USA, verlassen wir um kurz vor eins den Zug und betreten in Budapest den Bahnhof Keleti. Die Luft an den Gleisen ist warm, die Temperatur angenehm. Wir trinken in der Lounge ein Wasser, beschließen aber recht schnell, uns auf den Weg zu unserem etwas abgelegenen Hotel zu machen.

Der Platz vor der Bahnhofshalle ist voll mit Menschen, die Luft riecht nach verbranntem Diesel, die Gebäude haben mattgelbe und eierschalenfarbene Anstriche und erinnern – natürlich – an Österreich. Wir fahren per Metro in die Innenstadt, besteigen anschließend eine klapprige Vorortbahn mit gemütlichen Sitzbänken und fahren knapp zwanzig Minuten lang zu unserem 5-Sterne-Hotel The Aquincum , direkt an der Donau gelegen. Dank entsprechender Planungskompetenzen bezahlbar. Die Empfangshalle des Hotels ist groß, in warmen Farben gehalten und versprüht durch die Holzverkleidungen und die vielen Sofas eine urige, gemütliche Atmosphäre. Der Check In verläuft problemlos, die Angestellten haben Charme und eine authentische Freundlichkeit an sich. Wir verstauen unser Gepäck in unserem Doppelzimmer– großzügige Fensterfront, weicher Teppichboden, der obligatorische Gelbanstrich an den Wänden – und beschließen, als erstes das Restaurant zu suchen, über das Tobi sich vor Beginn der Reise informiert hat. Nachdem wir eine viertel Stunde lang die Umgebung erkundet haben – alleeähnliche, gerade Straßen, helle Plattenbauten mit niedrigen Zäunen, hinter denen sich Kindergärten und eine kleine Werbeagentur befinden – stoßen wir auf das Kéhli Vendéglö. Das ehemalige Gehöft, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts in ein Gasthaus umgewandelt wurde, zieht uns schon von außen durch sein unglaublich uriges und einladendes Flair an. Wir finden Platz im sonnendurchfluteten, efeubewachsenen Innenhof des Restaurants und begießen den gelungenen Urlaubsauftakt mit zwei Gläsern ungarischen Dreher-Biers. Das Kéhli scheint sehr traditionsreich und populär zu sein, laut seines Internetauftritts begrüßte es in jüngerer Zeit bereits Gäste wie Woody Allen, Helmut Kohl und Arnold Schwarzenegger. Die Einrichtung ist liebevoll gestaltet, die grünweiß-karierten Tischdecken und der gelbe Baldachin im Innenhof erzeugen eine einladende Gemütlichkeit und trotz seiner Größe hat der Charme des Kéhlis eine authentische Note. Nachdem wir unser Essen bis auf den letzten Krümel verdrückt haben – Fischfilet mit frischen Pilzen und Putenbrust mit Camembert und pürierten Pflaumen – verlassen wir das Restaurant mit dem Gefühl, einen Teil unserer Seele dort zu lassen und schleppen uns schwerfällig Richtung Innenstadt via klappriger Vorortbahn.

Im ÖBB EuroNight ist ein Frühstück inklusive

 1. Klasse- und Schlafwagenreisende haben Zutritt zur ÖBB Club Lounge in Wien Blick aus dem Zugfenster, in der Nähe von Hegyeshalom Lobby des 5 Sterne-Hotels The Aquincum in Budapest Das Kéhli Vendéglő Der Innenhof des Kéhli

Dort flanieren wir im Sonnenschein am Donauufer entlang. Der Wind ist angenehm kühl, die Straßen belebt und laut. Wir beobachten Autoschlangen, die sich im Abendfeierverkehr über schmale Brücken quetschen, dazwischen kräftige und gelassen wirkende Pferde, die vor geräumige Kutschen gespannt sind, und überall auf dem Wasser verteilt stromlinienförmige, wie plattgedrückt wirkende Ausflugsfähren voller Touristen. Als am gegenüberliegenden Ufer ein großes und zackiges Gebäude in unser Sichtfeld rückt, bleiben wir stehen und schießen das erste obligatorische Touri-Photo des Urlaubs. Das Parlamentsgebäude im neogotischen Stil mit seinen spitzen Giebeln und Verzierungen liegt glänzend weiß in der Sonne wie frisch poliert. Wir eisen uns schließlich los und erklimmen die Burg auf Seite Buda. Oben angekommen erstreckt sich vor uns ein toller Überblick über die von der Abendsonne angestrahlte Stadt. Wir schlendern am Nationalmuseum vorbei, beobachten eine Weile die Menschen um uns herum und bestaunen die zahlreichen Verzierungen der Burg. In einem kleinen, engen Eckladen, in dem es nach Weißbrot und Klimaanlage riecht, kaufen wir frisches Obst und Limonade und setzen uns damit auf Höhe der Fischereibastei, ein Anfang des 20. Jahrhunderts errichtetes Monument an Stelle des mittelalterlichen Fischmarkts, in den Schatten. Der Platz ist belebt mit Touristen und Einheimischen, die sich in den teilweise in die Bastei verbauten Restaurants und Bars tummeln oder mit Kamera und Objektiv bewaffnet in Richtung der Matthiaskirche, einer hübschen, neogotischen Kirche mit dem bunten Dach, stürmen. Nachdem wir das Gefühl bekommen, genügend Zeit verbummelt zu haben, machen wir uns über die Treppen der Bastei auf den Weg zurück in die Innenstadt.

Die Straßen sind eng, gesäumt von schmalen Bäumen, überfüllt mit parkenden Autos und liegen bereits im Schatten. Aus vergitterten Fenstern guckt uns ein Hundewelpe neugierig hinterher, auf einer Treppe sitzen drei Jugendliche in alternativen Klamotten und spielen Gitarre. Insgesamt erinnert das Flair in den Seitenstraßen irgendwie an das Pariser Montmatre.

Stillleben im Burghof

Die Synagoge Óbudai zsinagóga Das erste obligatorische Touri-Photo des Urlaubs vor dem Parlamentsgebäude Blick vom Burgberg auf die Stadt Das Parlamentsgebäude Ein neugieriger Stadtbewohner

Zurück im Hotel proben wir Dekadenz und machen uns auf den Weg in den hoteleigenen Spabereich im Untergeschoss. Bis in den späten Abend lassen wir die Seele im warmen Wasser baumeln, drehen einige Runden im Schwimmbecken und schwitzen drei Runden in der Sauna.

Wir lassen den Tag schließlich bei einem Spaziergang an der nächtlichen Donau entlang ausklingen. Das Parlament, die Burg und die Kettenbrücke werden durch Scheinwerfer in goldenes Licht getaucht. Die Luft ist warm und dick, irgendwie einlullend. Um uns herum springen junge Menschen überdreht über die Straßen. Es ist Freitagabend, man versammelt sich in den Freilichtbars und an den künstlichen Sandstränden direkt an der Donau oder sitzt über das Ufer verteilt in kleinen Grüppchen zusammen, trinkt Wein direkt aus der Flasche und nickt mit dem Kopf im Takt des Elektrobasses, der aus irgendeiner nahliegenden Bar herüber schallt. Über der Szenerie bestrahlt ein klarer Mond die Stadt mit silbernem Licht. Tobi kann unmöglich jedes tolle Motiv ablichten, das sich ihm an diesem Abend anbietet. Mit dem letzten Zug machen wir uns gegen Mitternacht auf den Weg zurück zu unserem Hotel und fallen übermüdet ins Bett.

Das Parlament bei Nacht

Die Fischereibastei Blick auf das Parlament vom Burgberg herunter Die Kettenbrücke Die Kettenbrücke Blick auf Fischereibastei vom Donauufer aus

 


Nächster Tag: Im Nachtzug an das Schwarze Meer - Von Mister Banana und verarmten Vaterländern

Vorheriger Tag: Von Stuttgart über Frankfurt am Main nach Wien


 

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