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Heimat in der rauen Nordsee I Zu Besuch auf den Halligen Oland & Langeneß


Verfasst und erlebt von: Tobias Letzte Aktualisierung am 18.05.2015

DAGEBÜLL - OLAND - LANGENEß, SCHLESWIG-HOLSTEIN

Sturmböen, Steine, die Wellen brechen, Gischt, die in der kalten Luft zerstäubt, und der Geruch von Salz und Fisch - die Nordsee, wie sie sich rauer sich nicht zeigen könnte. Bereits zum dritten Mal in den letzten Jahren stehen wir am Fähranleger und gleichzeitigem Bahnhof Dagebüll Mole.

Von hier aus führt ein schmaler Weg hoch oben auf dem Damm am Wasser entlang zu einem kleinen backsteinernen Leuchtturm. Vom Winde zerzaust erblicken wir  in der Ferne einen großen Schuppen mit Parkplatz und Gleisen.  Es ist der Lorenbahnhof der Inselbahn zu den Halligen Oland und Langeneß, die nur über einen schmalen Damm erreichbar sind, gerade breit genug, um den Schienen der Lore Platz zu bieten.

Halligen sind kleine, wenig geschützte Inseln im nordfriesischen Wattenmeer, die bei Sturmfluten überschwemmt werden. Vor der Nordseeküste Deutschlands liegen zehn Halligen, sieben noch von einer Handvoll Menschen bewohnt, die hauptsächlich im Küstenschutz tätig sind.

Durch das Kreischen der Möwen schält sich langsam das gemütliche Tuckern eines Motors und eine kleine, selbst zusammengeschraubte Motorlore hält auf uns zu. Obenauf Frau Nommensen, Halligbewohnerin aus Oland und unsere Gastgeberin für die nächsten drei Tage. Unser erster Kontakt zu einem Einheimischen dieser harmonischen Inselwelt, in der die Bewohner in einem eigenen Takt zu atmen scheinen.

Fähranleger und Bahnhof zugleich: Dagebüll Mole Linker Hand des Leuchtturms befindet sich der Lorenbahnhof Frau Nommensen mit Lore in Dagebüll

Fahrt mit der Motorlore zur Hallig Oland

Fahrt mit der Motorlore zur Hallig OlandWenige Zentimeter trennen auf der Lore Füße und NordseeAnkunft auf der Hallig Oland - im Hintergrund ist bereits die bewohnte Warft zu sehen

Schnell ist das Gepäck auf dem wackligem Gefährt verstaut und mit unerwartet rasantem Tempo rattern wir über den Damm hinaus auf das offene Meer. Die Füße angewinkelt und nur wenige Meter über dem Wasser haltend blicken wir von der Lore aus auf die Leere des Wattenmeers um uns herum. Beeindruckende fünf Kilometer vor uns liegt Oland , auf der sich unser Quartier befindet. Die Lore trägt uns in schnurgerader Bahn durch die Weite des Watts, direkt auf den Horizont zu, der orangen glüht von der sterbenden Abendsonne. Die Flut setzt gerade ein, der Wind brennt salzig in den Augen. Wir erreichen die Hallig nach circa 20 Minuten Überfahrt.


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Bereits als wir das hölzerne Gefährt verlassen, mit dem die Halligbewohner schon seit über 100 Jahren bei Sturm und Flut ihre Heimat erreichen, erfasst uns die innere Ruhe, die die Halligen an friedlichen Abenden wie diesen verströmen. Diese Ruhe schmeckt nach Salz und Kaminfeuer und verspricht das herzhafte Abendessen, das uns in der gemütlich eingerichteten Stube unserer Gastgeberin erwartet.

Eine Lore passiert Oland während Ihrer Fahrt nach Dagebüll Eine Motorlore auf dem Damm zwischen Langeneß und Oland Der Lorendamm von Oland nach Langeneß

Die Warft der Hallig Oland

Abendstimmung auf Oland Die Wohnhäuser der Hallig Oland - rechter Hand das Haus Nommensen Das urige Doppelzimmer im Haus Nommensen

Der zweite Tag beginnt früh am Morgen, wir wollen durch das Watt zur benachbarten Hallig Langeneß wandern. Als wir nach einem ausladenden Frühstück, für das alleine sich die ganze Reise schon rentiert hätte, die Pension verlassen, ist die Luft so beißend klar, dass die Müdigkeit nicht nur aus unseren Knochen, sondern auch aus unserem Wortschatz gebannt wird. Etwa 100 Meter parallel zum Lorendamm schlendern wir knapp zwei Stunden durch eine surreal wirkende Wattlandschaft, in der sich die aufgehende Sonne spiegelt. Es wirkt als liefen wir durch eine andere Sphäre, in einer schlammigen Mondlandschaft entlang, deren wellenförmiger Boden zernarbt ist von den Löchern der Wattürmer. Ein einzigartiges Naturschauspiel...

Es ist kurz vor Mittag, als wir über eine kleine Badeleiter Langeneß erreichen, die größere der beiden Halligen. Langeneß beherbergt einen Aussichtsturm direkt am Ufer mit allerlei interessanten Informationstafeln über die Flora und Fauna des Naturparks Vom Lorenbahnhof aus erreicht man über eine kleine geteerte Straße die einzelnen Warften, auf denen die Häuser gebaut sind und die seit Jahrzehnten tapfer und dickköpfig den Überschwemmungen trotzdem.

Oland, Blick aus dem Fenster der Ferienwohnung Der kleine Oländer HafenDie Postlore samt Briefträger

Im Watt zwischen Oland und Langeneß

Salzwiesen bei Langeneß Die Hallig Oland aus der Ferne Aussichtspunkt auf Langeneß

Wie von unserer Gastgeberin empfohlen wollen wir uns Fahrräder ausleihen, finden jedoch keinerlei Hinweise auf einen Verleih. Der Postbote der Insel steigt zu unserem persönlichen Helden auf, nachdem er uns kurzerhand an der Hand nimmt und - ohne an der Tür zu klopfen oder zu klingeln - in die Wohnstube eines älteren Herrn führt, der mit seiner Pfeife im Mund friesischer nicht sein könnte. Die Praxis der Halligbewohner, einfach beieinander ein- und aus zu gehen und ihre Türen offen zu halten, beobachten wir hier ständig. Vor allem in der Wintersaison, wenn sich die Kälte des Winters über die Inseln legt und die Touristen fernhält, rücken die Bewohner in absoluter Vertrautheit zueinander. Man kennt sich hier, und man kennt sich halt. Eine Enklave der Familiarität, das Auenland der Nordseeküste. So stört es den friesischen Herrn auch kein bisschen, dass der Postbote plötzlich mit zwei völlig Fremden - dazu noch mit zwei weißhäutigen Landeiern - in seinem Wohnzimmer steht und seine Privatsphäre sprengt. Freundlich und aufgeräumt führt er uns in den Schuppen hinterm Haus und drückt uns zwei Fahrräder in die Hand. Miete, Fixpreise? Kein Thema, wir sollen die Räder am Abend einfach wieder in den Schuppen stellen und eine Spende unserer Wahl in das rosa Sparschweinchen neben der Haustüre werfen.

Endlich ausgerüstet mit zwei Rädern, die eindeutig einem älteren Jahrgang angehören, erkunden wir die Insel und kämpfen gegen den Wind an. Auf schnurgeraden Strecken geht es vorbei an Wasser und sich wiegenden Gräsern, vorbei an zotteligen Rindern und Vögeln aller Art, die in großen Schwärmen in die klare Luft steigen, und vorbei an der Peterswarf, auf der ein Informationszentrum über das Wattenmeer errichtet wurde. Wir steuern auf das einzige Cafe der Insel zu, Inkes Cafe auf der Kettelswarf. Hier wird zwischen allerlei urigen Seemansutensilien Kaffee ausgeschenkt und Kuchen verkauft, der uns die Glieder wieder aufwärmt. Frisch gestärkt brechen wir die Fahrt zu dem Leuchtturm an, der am anderen Ende der Insel ein wachsames Auge auf das Meer und die Küste hat. Der 1902 erbaute backsteinerne Leuchtturm befindet sich auf der nicht mehr bewohnten alten Peterswarft. Direkt am Eingang steht eine windgeschützte Bank, die zum Vesper einlädt. Außer uns befindet sich niemand an diesem Teil der Küste. Der Himmel wirkt gläsern und sacht blau, der Wellengang ist still und beruhigt unsere Gedanken. Ohne viele Worte zu verlieren entspannen wir eine Weile beim Anblick des Meeres.

Lorenbahnhof und Endpunkt der Schmalspurbahn auf Langeneß Motorloren bei Langeneß Motorlore auf dem Damm nahe Langeneß

Leuchtturm auf der alten Peterswarft, Langeneß

Eine Hunnenswarft auf Langeneß Die Kirche von Langeneß Der Hallig InterCityExpress auf Oland

Über die selbst im Winter saftig grünen Salzwiesen geht es zurück zu den Fahrrädern. Wir brausen zurück zur Warft und dem Lorendamm, den Wind und die Sonne im Rücken. Inzwischen hat die Nordsee sich das Watt zurück geholt, so nehmen wir den Weg zurück nach Oland über den Lorendamm. Anders als auf dem Damm, der Oland mit dem Festland verbindet, kann man den Damm zwischen Langeneß und Oland auch zu Fuß benutzen. Dort wartet bereits Frau Nommensen mit einem kulinarischen Traum aus Nodseekrabben und Räucherfisch auf uns.

Am nächsten Tag steht ein großes Event an, die zweitälteste Bewohnerin der Hallig Oland wir 90 Jahre alt (die älteste ist 105 Jahre) und feiert auf dem Festland. Auf der Hallig geht es vergleichsweise hektisch zu; die Lore nach Dagebüll wird kurzerhand mit einer Diesellokomotive versehen, um alle Bewohner auf das Festland transportieren zu können.

Plötzlich sind wir alleine auf der Hallig. Plötzlich ist es im Auenland noch friedlicher, falls das überhaupt möglich war. Wir wandern über die Inseln, besichtigen auf Langeneß eine Kirche aus dem Jahr 1824, den weißgetünchten, romantischen Innen- und den Glockenturm daneben, genießen die besinnliche Ruhe der Halligen.

Abendimpression auf dem Damm zwischen Langeneß und Oland Der Geburtstagszug nach Dagebüll nahe Oland Ein Arbeitszug des Küstenschutzes auf Oland

Abendimpression auf dem Damm zwischen Langeneß und Oland

Der Glockenturm neben der Kirche von Oland Auf dem Lorendamm zwischen Dagebüll und OlandEin letzter Blick auf die Hallig Oland

Die Halligen sind ein unvorstellbares Naturerlebnis im Nordfriesischen Wattenmeer und in Verbindung mit der unkomplizierten Gastfreundschaft der Inselbewohner, insbesondere Frau Nommensen, der wir für den herzlichen Aufenthalt auf Oland 2012 und 2014 nochmals herzlich danken möchten, ein wunderbarer Ort den Alltag zu vergessen und in einer rauen, authentischen Märchenwelt zu entspannen.

 


 


Unser Anreisetipp:

Die Bahn bietet Direktverbindungen mit InterCity Kurswagen nach Dagebüll direkt an die Mole an. Ebenso besteht eine regelmäßige und gute Verbindung im Nah- & Fernverkehr von und nach Hamburg mit Umstieg in Niebüll.  

Mehr Infos zum günstigen Bahnfahren findet Ihr unter bahn.weltenfinder.de


Unsere Linktipps:

Günstige Unterkünfte auf den Halligen auf www.booking.com

Die Ferienwohnung der Familie Nommensen auf www.ferienwohnung-hallig-oland.de

Informationen zum Nationalpark Wattenmeer auf www.nationalpark-wattenmeer.de

 

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