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Premierenfahrt mit Locomore   Ι  (Unregelmäßige) Alternative zwischen Neckar und Spree


Verfasst und erlebt von:  Tobias Letzte Aktualisierung am 31.01.2017

STUTTGART - BERLIN, DEUTSCHLAND

Pünktlich zum Karnevalsauftakt am 11.11. um 11:11 Uhr sollte die Buchung für den ersten privaten, durch Crowdfunding realisierten Fernzug Deutschlands starten. Vorgesehen ist die Strecke von Stuttgart über Heidelberg, Frankfurt, Hannover, Wolfsburg nach Berlin. Gebannt sitze ich also an jenem 11.11. am Laptop und beobachte den Countdown, der großflächig auf der Internetpräsenz von Locomore Sekunde für Sekunde herunterläuft. 3., 2., 1.: "00:00:00 bis zum Buchungsstart". Diese Anzeige mit den vielen Nullen wird auch bis zum späten Nachmittag so bleiben.

Am Abend habe ich es dann endlich geschafft, drei Plätze in der Business Class zu 98 Euro pro Person für die erste Fahrt am 14. Dezember 2016 sind gebucht. Die Reservierung ist immer inklusive und die Plätze können über eine Grafik frei ausgewählt werden. Alle anderen Reisetage waren übrigens erheblich günstiger zu haben. Meist für 22,- Euro in der Basic- und 38,- Euro in der Business-Klasse.

++ UPDATE: Leider fährt der Zug nicht mehr täglich, sondern nur noch an einzelnen Verkehrstagen! Am besten Ihr prüft im Internet ob der Locomore-Zug an Eurem Reisetag überhaupt fährt +++ 

Am 14. Dezember 2016 ist es endlich soweit: Der erste Locomore Zug von Stuttgart nach Berlin soll um 6:21 Uhr abfahren und wir mittendrin um 6 Uhr in der Früh am kalten Bahnsteig Nummer vier am Stuttgarter Hauptbahnhof. Ein paar Kamerateams und Journalisten sind ebenfalls vor Ort und warten auf den orangefarbenen Zug, auf den bis auf den Abfahrtsanzeiger mit der Anschrift "LOC 1818" noch nichts hinweist. Viertel nach sechs rollt der Vier-Wagen Zug in den Bahnhof ein und mit ihm wird das Blitzlichtgewitter eröffnet. Geschäftsführer Derek Ladewig bringt noch schnell selbst den letzten Aufkleber mit der Aufschrift "Jetzt seid Ihr am Zug" als Hinweis auf die zahlreichen Unterstützer des Crowdfunding-Projekts an, bevor auch schon alles zur Abfahrt bereit steht. Doch die Hektik ist unbegründet, denn es wird noch vierzig Minuten dauern, bis der Zug abfährt. Grund für die Verspätung ist eine Verkettung unglücklicher Umstände beim schwedischen Dienstleister, der die Lokomotive stellt und fährt. Im Zug folgt während dessen eine kleine Ansprache durch den Geschäftsführer persönlich.

14. Dezmeber 2016, Stuttgart Hauptbahnhof: Der erste fahrplanmäßige Locomore-Zug nach Berlin ist angekündigt Fotografen und Kamerateams warten bereits gespannt auf den Zug Einfahrt des ersten fahrplanmäßigen Locomore

Geschäftsführer Derek Ladewig

Nun ist es aber Zeit, vor allem die inneren Werte des Zuges genauer unter die Lupe zu nehmen. Locomore will mit seinem Angebot zwei Bahnfahrer-Weltanschauungen miteinander vereinen: Man kann sowohl plüschig nostalgische Abteile mit Übersetzfenstern ohne klimaanlagengekühlter Luft als auch moderne Großraumbereiche mit ergonomischen Ledersitzen auswählen. Wifi und Steckdosen sind im ganzen Zug vorhanden und kostenlos. Gefahren wird mit Ökostrom und Fahrräder werden gegen Aufpreis mitgenommen.

Die Abteile (Basic-Klasse): Jedes Abteil hat sechs bequeme Plätze, ein Fenster zum Öffnen, einen größeren oder kleineren Tisch, Vorhänge und einen Lichtschalter, um die Beleuchtung abzuschalten. Die Sitze lassen sich zusammenziehen, so dass ein kleines Bett entsteht. Ein offenes Familienabteil (inkl. Spielsachen) ist vorhanden.

Der Großraum (Basic-Klasse): Dieser Waggon hat uns besonders überrascht, denn die Ledersitze, die hier verbaut wurden, gleichen denen der ersten Klasse bekannter Hochgeschwindigkeitszüge und sind dementsprechend ergonomisch bequem. Der Sitzabstand ist in etwa mit dem der zweiten Klasse im normalen InterCity vergleichbar. Jeder Platz hat einen Tisch, vor den Fenstern hängen Vorhänge und die Luft wird durch eine Klimaanlage reguliert.

Die Business-Klasse: Die Abteile selbst unterscheiden sich nicht von denen der Standardklasse, werden allerdings anstatt mit sechs mit maximal drei Reisenden belegt, sodass der Platz gegenüber immer frei bleibt. Eine Brezel oder eine Rosinenschnecke sowie ein Getränk und eine Tageszeitung pro Abteil sind hier inkludiert. Auch soll es so genannte "Komfort-Kissen" geben, von denen an der Premierenfahrt allerdings keine aufzufinden waren.

Großraum-Bereich (Basic-Klasse) Großraum-Bereich (Basic-Klasse) Sechser-Abteil (Basic-Klasse)

Sechser-Abteil im "Nacht-Modus" (Basic-Klasse) Familien-Bereich (Basic-Klasse) Sechser-Abteil mit einer Maximalbelegung von drei Personen (Business-Klasse)

Mittlerweile fahren wir mit hohem Tempo über die Schnell- und Tunnelstrecke vorbei an Vaihingen an der Enz in Richtung Heidelberg. Leider kommt hier ein Manko des Zuges zum Vorschein: Alle Reisenden haben Druck auf den Ohren! Dies liegt daran, dass die Waggons nicht druckertüchtigt sind. Die Geschwindigkeit von bis zu 200 km/h hat aber auch ihre Vorteile, denn so erreichen wir Frankfurt am Main drei Minuten zu früh und das obwohl wir 40 Minuten zu spät in Stuttgart gestartet sind. Hier wurde also ausreichend Zeitpuffer in den Fahrplan eingeplant. Zwischen Frankfurt und Fulda ist es Zeit für ein frühes Mittagessen und der Blick schweift in die Speisekarte des Zuges: Bunter Taboulé vom Couscous mit Datteln und Feta, Schoko-Amaranth-Knuspermüsli oder Mediterrane Gemüsebällchen auf Tomatensalsa mit Körnerbrötchen dazu Guarana Cola oder ein Haferdrink und als Nachtisch ein Stückchen Zotter Laboko Schokolade mit dem Namen Loma Los Pinos. Fast jedes Produkt hat ein Bio-Siegel und der Kaffee ist FairTraide. Wer jetzt allerdings dementsprechende Preise erwartet hat sich getäuscht, denn der Gepa-Filterkaffee kostet gerade mal 1,80 Euro und eine Bio-Brezel gibt es ab 1,50 Euro. Entschieden haben wir uns für ein Schnitzel im Weck-Glas auf Kartoffel-Gurken-Salat für 6,80 Euro, Bio natürlich. Draußen zieht noch ein wenig die dezembergraue Landschaft an uns vorbei, bevor wir um 12:58 Uhr überpünktlich die Bundeshauptstadt erreichen.

Häppchen während der Premierenfahrt

Inkludiertes Willkommenspaket der Business-Klasse Blick aus den zu öffnenden Fenstern Bio-Schnitzel im Weck-Glas

Wir erreichen Berlin Berlin Hauptbahnhof An der Spree

Endbahnhof Berlin-Lichtenberg 

 

                                       // Infobox //

Die Locomore fährt täglich* von Stuttgart (Ab 6:21 Uhr / An 21:20 Uhr) über Vaihingen an der Enz, Heidelberg, Darmstadt, Frankfurt am Main Süd, Hanau, Fulda, Kassel-Wilhelmshöhe, Göttingen, Hannover und Wolfsburg nach Berlin. (An 12:58 Uhr / Ab 14:28 Uhr) Dort wird an den Bahnhöfen Zoo, Hauptbahnhof, Ostbahnhof und Lichtenberg gehalten. *UPDATE: Der Zug verkehrt nur noch an wenigen Verkehrstagen in der Woche.

Die Preise für die Relation Stuttgart-Berlin liegen zwischen 22,- und 65,- Euro in der Basic- und 38,- und 98,- Euro in der Business-Class.

Eine 360°-Ansicht des Zuges gibt es auf www.kaemena360.com

Mehr Infos und Buchung auf www.locomore.de 

 

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