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Nachtzug nach AserbaidschanI Über Nacht von Tbilisi nach Baku


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 05.11.2015

TBILISI,  GEORGIEN - BAKU, ASERBAIDSCHAN

Auf dem Landweg in den Kaukasus  - Wir stehen im Bahnhofsgebäude von Tbilisi, unter dem Dach dieser merkwürdigen Mischung aus Shoppingcenter und Kirche, mit Elektronikhändlern und geschnitzen Holzbänken, aber ohne jegliche Infotafeln. Gut, Infotafeln haben wir nach vier Tagen in Georgien auch nicht mehr wirklich erwartet. Mit etwas Mühe finden wir den versteckten internationalen Fahrkartenschalter, an dem wir Bettkarten und Abfahrtsinformationen bekommen. Unser nächstes Ziel heißt Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Es gibt viele Wege dorthin, für uns natürlich nur den auf Schienen.

Jeden Nachmittag gegen 16:30 Uhr verlässt ein internationaler Schnellzug Georgiens Hauptstadt und erreicht am nächsten Morgen gegen elf Uhr das fünfhundertfünfzig Kilometer entfernte Baku. Aus Erfahrung wissen wir, dass man in Georgien nicht weniger als eine Stunde vor der angegebenen Abfahrt am Bahnhof sein sollte, da man sonst Gefahr läuft, seinen Zug zu verpassen... So lassen wir uns recht zeitig von einer Horde einheitlich geschminkter und einheitlich kichernder Schlafwagenbetreuerinnen - welchen komödiantischen Wert wir für die ausnahmelos kaum Englisch sprechenden Damen gehabt haben, wissen wir bis heute nicht - Bettkarten und Reisepässe kontrollieren und finden uns wenig später in einem sterilen Schlafwagen in weiß-grüner Plastik-Optik wieder, dessen Charme uns in den Sozialismus der Achtziger Jahre versetzt. Man könnte die großzügig bemessenen Abteile als komfortabel bezeichnen, wäre da nicht ein kleines, bei etwa vierzig Grad Außentemperatur nicht ganz unerhebliches Manko: Die Fenster lassen sich nicht öffnen, und die Klimaanlage ist nur während der Fahrt aktiv. Ergo keine Klimaanlage bei Stillstand des Zuges. Und wir stehen sehr viel bei dieser Überfahrt ... Bereits vor Abfahrt staut sich die Hitze in den Gängen und Abteilen in einem unerträglichen Maß an. Sauna unter georgischer Sonne. Selbst die Contenence der Schlafwagenbetreuerinnen droht einen Moment lang zu schmelzen, eine vergisst sogar zu kichern, obwohl wir in ihr Sichtfeld treten. Der schrille Abfahrtspfiff klingt wie eine Erlösung. Während sich die Temperatur und unser Gemütszustand abkühlt, dösen wir vor uns hin, den Blick aus den Fenstern gerichtet auf die letzten Ausläufer eines sommerlichen Tiblisis. Georgien zu verlassen versetzt uns einen kleinen Stich ins Herz, unsere Gedanken wandern noch in den archaischen Höhen des Kaukasus umher, auf unserer Zunge liegt immer noch der Geschmack der süßen, saftigen Weine. Sven hebt die Stimmung, als er mit einem Tablet voll dampfenden Cays aus dem waggoneigenen Samowar in unser Abteil zurückkehrt - natürlich nicht ohne im Flur eine Lachsalve aus hellen Frauenstimmen zu provozieren, die unsere Frage, was er denn vor hat, überflüßig macht.


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Die Gemütlichkeit des Abends wird am Grenzbahnhof Böyük Kəsik aprupt unterbrochen. Die georgische Grenze lassen wir ohne komplizierte Prozederre hinter uns. Hier, an der aserbaidschanischen Grenze, geht es vorne los - Der nächste Saunagang steht bevor. Die Waggons stehen und kein Luftzug findet mehr aus dem Lüftungsgitter der Klimaanlage in das Abteil. Ein Ausstieg ist aufgrund der Passkontrolle verboten. Der zusteigende Grenzpolizist, in der Hand einen giftgrünen Plastikkoffer, zerfließt förmlich in der flimmernden Luft. Zwanzig Minuten später sitzen wir, je einzeln, in einem zuvor ausgeräumten Viererabteil und blinzeln etwas konsterniert in die Linse eines antiquiert wirkenden Koffercomputers, der jedem Ostblockklischee gerecht wird. Der Zollbeamte, von dem hinter der Monstermaschine kaum mehr zu sehen ist als seine auf Ballongröße aufgepumpte Mütze, blättert gelassen durch unsere Pässe, beäugt das eingeklebte Visum und jeden im Pass befindlichen Stempel, wobei die linke Augenbraue hin und wieder ihren Weg nach oben findet - aber nicht unfreundlich - und greift schließlich zum landeseigenen Stempel. Ein sauber auf das Visum aufgesetzter Stempel in schwarzer Farbe und ein freundliches Kopfnicken des Beamten begrüßen uns offiziell in Aserbaidschan.

Vor dem Fenster - Eine Welt, die ohne Worte wirkt ...

Blick von der Sameba-Kathedrale auf Tbilisi Abendessen am Bahnhofsbuffet Am Bahnhof von Tbilisi

Hauptbahnhof Tbilisi von oben

Der internationale Nachtzug nach Baku steht schon bereit Fahrkarten und Pässe werden bereits vor Einstieg am Bahnsteig kontrolliert ADY steht für Azərbaycan Dəmir Yolları, was so viel heißt wie Staatsbahn von Aserbaidschan

Ein letzter Blick aus dem Zug auf die Sameba-Kathedrale in Tbilisi

Die Schlafwagen versprühen den Charme der Sowjetunion  Ganz praktisch sind die hinter einem Haltegriff versteckten, platzsparenden Leitern Bettzeug liegt bereits bei Abfahrt bereit

Der obligatorische Cay gehört natürlich dazu ;-)

Zubereitet im waggoneigenen Samowar Im Gang des SchlafwagensZum Abschied von Georgien noch ein Gläschen Wein

Wir haben soeben die georgisch-aserbaidschanische Grenze passiert

Zuvor ist dieses Zollformular auszufüllen - Beachtung findet es am Ende allerdings keine Georgische Zollsiegel an der Lüftung des Schlafwagenabteils Detailaufnahme der Bettbezüge

Gute Nacht!

Erste Blicke bei Tageslicht auf Aserbaidschan Ein alter Wasserturm am Streckenrand Unbeeindruckt des lauten Zuges grast diese Kuh am Streckenrand

Ein Salzsee - die dunklen Flecken sind wohl Öl

 Hier wird der Reichtum des Landes aus der Erde gebohrt Ein weiterer SeeBohrtürme soweit das Auge reicht

Bohrtürme soweit das Auge reicht

Ausrangierte MilitärfahrzeugeAlte DampfrösserLokomotive der 2009 stillgelegten Kindereisenbahn des Shakhriyar Park

Wir erreichen den Hauptbahnhof von Baku

Unsere Lok am Bahnhof von Baku Detailaufnahme an unserer Lok Die Eingangshalle des Hauptbahnhofs von Baku

 


Nächste Station:  Ein Tag in Baku - An der schmutzigsten saubersten Uferpromenade


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus können Eisenbahnerprobte Georgien und Aserbaidschan durchaus per Schiene und an einigen Abschnitten mit dem Bus erreichen - man sollte allerdings sehr viel Zeit mitbringen. Empfehlenswert ist die Direktverbindung mit dem Optima-Express bis Edirne und von dort aus im Bus oder Bahnnahverkehr bis Istanbul, weiter im Expresszug bis Erzurum und von dort aus per Bus in Richtung Georgien. Einfacher und deutlich schneller kommt man allerdings mit dem Flugzeug bis Tbilisi. Von Tbilisi verkehrt jeden Abend ein komfortabler Nachtzug nach Baku.

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Unsere Linktipps:

Informationen zum Bahnfahren in Georgien & Aserbaidschan auf www.seat61com

Günstige Unterkünfte in Baku auf www.booking.com

 

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