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Abenteuer Business-Class  I  Vom Luxus über den Wolken


Verfasst und erlebt von: Tobias Letzte Aktualisierung am 11.01.2017

HAVANNA, KUBA - FRANKFURT AM MAIN, DEUTSCHLAND

Kuba 2015 - Im Gegensatz zur Anreise haftet der Rückreise von einer lieb gewonnen Destination selten ein positives Gefühl an. So ergeht es uns auch bei unserer Rückreise aus Kuba vergangenes Jahr. Wir sitzen in der kleinen Abflughalle des Flughafens in Havanna, gehen unserer Lieblingsbeschäftigung nach und beobachten die Menschen um uns herum. Das Publikum ist genau so bunt gemischt wie die gelb, orange und blau bemalten Wände der Ablughalle. Touristen, Anzugträger und Uniformierte stehen in Schlange vor den Regalen des Duty Free - Shops. Wie gerne wären wir länger in diesem Land geblieben. Es widerstrebt uns bis tief in unser Innerstes, in ein paar Stunden in das Flugzeug zurück nach Deutschland zu steigen und damit die Heimreise anzutreten. Über die großen Fenster lässt sich die Start- und Landebahn beobachten. Während im Hintergrund für uns das letzte Mal die kubanische Sonne in golden gleißenden Lichtern untergeht, landet die Condor Maschine aus Frankfurt am Main direkt vor unseren Augen. In weniger als zwei Stunden wird sie mit uns zurück ins kalte Deutschland abheben.

19:50 Uhr. Wenige Minuten, bevor das Boarding beginnt, schrillen plötzlich unsere Namen durch die rauschenden Lautsprecher: "Grrr...grurr...Mr. Mezger, Mrs. Agostini to the Exit Gate please - Mr. Mezger, Mrs. Agostini please..."  Überrascht werden wir aus der Reiseendemelancholie gerissen, noch nie haben wir unsere Namen am Flughafen ausgerufen gehört. Zielelstrebig geht es zum Schalter. Dort steht ein strahlender Kubaner, den wir ihn bereits am Check-In kennen gelernt haben, und winkt mit zwei Bordkarten. Bordkarten für die Plätze H & G! Reihe eins, das ist mehr als nur eine Nummer - Das ist die Eintrittskarte in Tobis lang gehegten Traum. Für den Rückflug erhalten wir ein Upgrade in die Business Class. Für uns beide der erste Flug in dieser Klasse... Wir werfen uns einen Blick zu, auf Tobis Gesicht macht sich ein breites Grinsen breit. Bucket-List: Check!

Noch während wir die Karten feiern werden wir von den aufgeräumten Flughaftenmitarbeitern in Richtung der Rollbahn geschoben. Über dem Asphalt steht die schwüle Wärme des Tages, wir nehmen einen letzten Zug der tropischen Luft, bevor wir über die vordere Tür das Flugzeug betreten. An der Türe wartet bereits die Stewardess, die uns an unseren Platz begleitet. Die Kabine der Business-Class ist klein, ein gemütliches Zimmer mit sechzehn großen Sesseln, über einen schweren, dunkelblauen Vorhang abgetrennt von der Economy-Class.

Auf jedem Sitz liegt ein großes Kissen, eine flauschige, dicke Decke und ein Amenity Kit in Form einer Strandtasche bereit. Im Inneren befindet sich alles, was man für eine Nacht im Flugzeug benötigt und selbst nicht mehr aus seinem Kulturbeutel pulen muss - Zahnbürste, Zahnpasta, eine Schlafmaske, dicke Socken und Ohrstöpsel. Wir fallen in die dicken Sessel, die sich per Knopfdruck zu Liegen ausfahren lassen, mit dem Gefühl, weniger auf unseren Plätzen zu sitzen als zu residieren. Unsere Sitznachbarin, wenn überhaupt nur wenig älter als wir selbst, strahlt eine dezente Routiniertheit im Umgang mit dem luxeriösen Standard der Business Class aus, der für uns so ungewohnt ist, und schmunzelt angesichts unserer unüberschaubaren Entdeckungsfreude vor sich hin. Während sich die Business Class mit Passagieren füllt, wird uns ein Aperatif zur Begrüßung serviert. Champagner Duval-Leroy und Campari Orange stehen zur Auswahl. Wir stoßen an.

Das Boarding ist mittlerweile abgeschlossen und wir rollen zur Startbahn. Der Start verläuft ruhig, wir drehen direkt über dem Lichtermeer von Havanna in Richtung Ozean - unter uns ist der hell beleuchtete Place de la Revolotion und ein letztes Mal der Malecon zu sehen. Nach wenigen Minuten wird es dunkel und die letzten Lichter verblassen. Unter uns ist nur noch Meer. Die Anschnallzeichen erlöschen, in der Kabine breitet sich gemütliche Wohnzimmerstimmung aus. Auf einem kleinen Wägelchen werden auf weißen Tischdecken kostenlose Zeitungen und Magazine verteilt, deren Angebotsbreite mit jedem Eckkiosk mithalten kann. Die nächste Runde Champagner wird ausgeschenkt, auch Weine und Longdrinks werden angeboten. Dazu gibts ein Schälchen Cashew-Kerne.

Malecón, Havanna Unsere Maschine bei der Landung am Flughafen von Havanna (José Martí) Am Flughafen von Havanna (José Martí)

Am Flughafen von Havanna (José Martí)

Einsteigen bitte! Flughafen Havanna (José Martí)

Unsere Bordkarten für Reihe 1 Willkommen in der Business-Class von Condor Ein kleines Amenity Kit liegt an jedem Platz aus

Über eine Tastatur sind die Sitze elektrisch in fast jede Position verstellbar

Die Caiman-Islands haben wir bereits überflogen und unter uns müsste die amerikanische Ostküste sein. Der Pilot meldet sich zu Wort, stimmt uns auf mögliche Turbulenzen ein. Die Stewardessen gehen indess mit routinierter Perfektion die Essensvorbereitung an. Jeder Handgriff sitzt. Die Passagiere bekommen die Speisekarte gereicht, während an jedem Platz der große Tisch ausgeklappt und mit einer schneeweißen Tischdecke bezogen wird. Das beschriebene 6-Gänge Menü liest sich als ein kulinarisches Versprechen und treibt die Erwartungen an unser erstes Luxus-Dinner über den Wolken in die Höhe:

 

Konfierter Marlin mit "Gremolta" und Gartenzucchini Salat

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Kalbsbraten an Frühlingssalat und gegrillten Gemüsen

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Saisonale Blattsalate mit Paprika Olivenöl-Balsamico Dressing

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Tafelspitz in Meerrettichsauce mit Wirsinggemüse und Risolee-Kartoffeln

Gebratenes Zanderfilte, Fenchelsalat-Sauce, Spinatgemüse und Petersilienbkartoffeln

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Käseauswahl Bruder Basil Rauchkäse, Morbier und Cheddar mit getrockneter Aprikose und Pflaume

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Apfeltörtchen mit Vanillesauce

 

Wir entschieden uns jeweils für den Fisch und den Tafelspitz als Hauptgang. Serviert wird auf Porzellan, sogar die Stoffservietten werden aufgeschlagen. Dazu wird ein südafrikanischer Sauvignon Blanc Alleee Bleue ausgeschenkt - Wir sind sprichwörtlich im kulinarischen Siebten Himmel! 

Konfierter Marlin mit "Gremolta"Kalbsbraten an Frühlingssalat und gegrillten Gemüsen, sowie Bruder Basil Rauchkäse, Morbier und Cheddar

Gebratenes Zanderfilte, Fenchelsalat-Sauce, Spinatgemüse und Petersilienbkartoffeln Tafelspitz in Meerrettichsauce mit Wirsinggemüse und Risolee-Kartoffeln Apfeltörtchen mit Vanillesauce

Nach dem Abendessen wird die Kabine abgedunkelt, wir nehmen noch einen Betthupferl in Form eines Baron Otard Cognac und eines Irish Cream Baileys. Hier ist das zu Bettgehen wirklich wörtlich zu nehmen. Der Sitz lässt sich über eine Tastatur vollautomatisch um 170 Grad neigen und wird so zu einer fast flachen Liegefläche mit einer Länge von 1,80 Meter. Während Tobi eingemümmelt in die dicke Decke sofort einschläft, widmet sich Anna dem Entertaimentprogramm. Jeder Platz hat einen eigenen Bildschirm, der sich mit seinen 15 Zoll Größe im wahrsten Sinne sehen lassen und entweder per Touch-Sreen oder Fernbedienung steuern lassen kann. Das so genannte Premium-Entertaiment umfasst genau 30 Spielfilme und 50 TV-Serien. Für uns zwar völlig ausreichend, aber sicher ausbaufähig, wenn man bedenkt, was andere Fluggesellschaften da bereits in der Economy anbieten. Sehr positiv fallen dafür die Bose-Kopfhörer auf, die jegliche Außengeräusche isolieren.

Abgesehen von leichten Turbulenzen verläuft der Flug ruhig. Zwei Stunden vor Anflug wird es hell draußen, die gedimmte Kabinenbeleuchtung wechselt langsam von Nachtblau zu einem hellen Gelb, der Duft von Kaffee zieht in die Nase. Wir fühlen uns - wie sollte es auch anders sein - deutlich erhohlter und ausgeschlafener als bei unseren vorigen Langstreckenflügen, die wir bis jetzt immer sitzend in der Economy Class verbracht haben. Noch bevor wir richtig geblinzelt haben, werden die Tische wieder ausgeklappt und mit Tischdecken bezogen - das Frühstück wird serviert. Unter uns zieht gerade der Ärmelkanal und das im letzten Jahr von uns besuchte Nord-Pas de Calais vorbei, während wir bei frisch gepresstem Orangensaft, Obstsalat und einer Käse-/ Petersilienfrittata die letzte Stunde unseres Fluges genießen.

Anna und Tobi

Über den Wolken... Das Frühstück am nächsten Morgen Über den Wolken...

Blick in die Business-Class Kabine

Blick in die Business-Class Kabine Die Rose schmückt das Stille Örtchen Blick in die Business-Class Kabine

Blick in die Business-Class Kabine


Unser Fazit: Vorweg eins steht fest: Diesen Flug werden wir wohl so schnell nicht mehr vergessen, denn so entspannt und ausgeruht sind wir definitv noch nie aus einem stundenlangen Flug ausgestiegen.

Die Business-Class ist auch für Condor selbst noch eine recht neue Angelegenheit, da sie erst 2014 mit dem Redesign der Flotte ins Programm aufgenommen wurde. Für einen Ferienflieger ist das Vorhandensein einer Business Class eher ungewöhnlich. Zielgruppe sind hier wohl neben Geschäftsleuten vor allem auch Urlauber, die sich abseits der auf Massentransport und Effizienz ausgelegten Economy Class einen gewissen Komfort leisten möchten. Natürlich fehlen uns wirkliche Vergleismöglichkeiten mit den Standards anderer Fluggesellschaften, doch die Business Class bei Condor hat auf uns den Eindruck gemacht, dass sie genau das bereit stellen kann - Einen professionellen, routinierten Service und ein effizientes, unprotziges Ambiente, das genau den Grad an Komfort gewährleistet, um nach zehn Stunden Flug ausgeruht am Boden anzukommen. Besonders die Qualität des Essens ist dabei heraus gestochen. An unserem Sitz war leider die linke Armlehne kaputt und der Bordbildschirm und die Kopfhörer auf Annas Seite hatten einen Wackelkontakt - Sofern möglich, wurden diese Mängel aber sofort vom Bordpersonal behoben.

Am Ende können wir eigentlich nur noch einen wirklich gravierenden Nachteil finden: Kommt man einmal in den Genuss Business-Class zu fliegen, wird man nie wieder Economy fliegen wollen. ;) Wir hatten Glück mit den kostenlosen Upgrades, da es in der Business Class noch freie Plätze gab. Möchte man sich den Luxus einer Business-Class gönnen, bezahlt man für unsere Verbindung derzeit ca. 1500 Euro für den Hin- und Rückflug

 


Bei unserer Anreise nach Kuba wurden wir von Condor unterstützt. Unsere Meinungen und Einschätzungen bleiben davon natürlich unberührt und entsprechen dem Blogger-Kodex.

 

 

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