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In achttausend Metern HöheI Durch das Wolken-Wunder Richtung Afrika


Verfasst und erlebt von: Anna & Tobias Letzte Aktualisierung am 08.03.2015

TÜBINGEN - HAHN - MARRAKESCH, MAROKKO

Marokko 2015 - Als uns morgens um sechs der Wecker den Krieg erklärt, verschluckt eine hellgraue, geschlossene Wolkendecke das Morgenlicht. Wir werfen die letzte Utensilien in den Rucksack in dem Wissen, dass über den Wolken die Sonne auf uns wartet. Eine unspektakuläre, mehrstündige Anfahrt zum Flughafen Hahn mit dem Auto liegt vor uns. Knapp 300 Kilometer. Grau trifft auf Benzingeruch. Wir sehen das Grenzschild zu Rheinland-Pfalz noch im Rückspiegel, als Windräder wie eine eigenwillige Botanik neben der Autobahn aus dem Boden schießen. Anders als viele unsere Zeitgenossen stört uns ihr Anblick nicht. Er erinnert uns an Nordsee-Küsten und Salzgeruch im Wind. Der Verkehr fließt an diesem Donnerstagmorgen sanft dahin, überpünktlich erreichen wir den Flughafen-Parkplatz und stellen das Auto ab. Der späte Februar führt einen letzten Stellungskampf, und obwohl in der Luft bereits eine erste Ahnung von Frühling liegt, sind unsere Hände nach ein paar Augenblicken eiskalt. 

Das Flughafengelände, eingebettet vom rustikalen, abgewetzten Charme der ehemaligen Kasernenanlagen, die das Gelände großräumig umgeben, präsentiert sich in akkurater Gradlinigkeit. Der Bürgersteig vor dem "frankfurthahnairport" - Schriftzug im belebendem Grün, Violett und Hellblau - lässt uns wissen, dass es nur noch "hundert Meter bis zum Urlaub" sind (aber immer noch 180 km bis nach Frankfurt an sich). Ich lasse meinen Unistress der letzten Monate neben dem verblichenen Schriftzug zurück und bringe schnell mehr als hundert Meter hinter mich. Der Check-In verläuft unkompliziert und schnell. An das Flugzeug geht es zu Fuß über das Rollfeld. Der Wind zerrt unleidig an den Haaren und treibt die Wärme aus unseren Körpern. Wie immer erinnert mich der Anblick der Ryanair-Maschinen mit ihrer blau-weiß-gelben Lackierung an eine Zahnpasta-Tube. Wie zu erwarten wird es kuschlig in der Boeing 737, wir organisieren unsere Ellenbogen und kleben mit dem Blick am Fenster, als das Brummen der Turbinen lauter wird und die Maschine Anlauf auf der Rollbahn nimmt. Die Welt geht in Steillage, das noch wintergraue Deutschland unter uns schrumpft zusammen. Ich brauche eine Weile, um einen Kompromiss zwischen meinem Vordersitz und meinen Beinen in deutscher Durchschnittslänge zu finden und mache mir es so gut es geht in meinem bananengelben Sitz bequem. Vor dem Fenster malt sich eine neue Welt ins Panorama, eine Winterlandschaft aus schweren, reinweißen Wolken greift in den gekrümmten Horizont, am Rand zerklüftet von den tiefblau eingefärbten Hängen der Alpen, deren Gipfel durch das Wolkenmeer stechen. Bei dem Anblick fällt mir die Kinnlade herunter, um nicht gänzlich unintelligent auszusehen, schiebe ich nach ein paar Minuten schnell eine Butterbrezel hinterher. Das beruhigt auch meinen Magen, in dem sich trotz der Erhabenheit des Ausblicks bereits meine seit Kindertagen latent vorhandene Flugangst breit gemacht hat. Gierig auf die fremdartige Schönheit der Welt in achttausend Metern Höhe starre ich durch das Fenster, als wäre es mein erster Flug. Etwa auf Höhe Frankreich bekommt die weiße Decke Risse, die Wolken ziehen nur noch klumpige Schlieren in die Luft und geben den Blick frei auf das zerfurchte Angesicht der Erde, eine Miniaturlandschaft aus mattem Grün, Braun und Grau, bei der sich in dieser Höhe das Auge nie entscheiden kann, wo am Rand des Horizontes Land aufhört und Himmel anfängt. Wir müssen lachen über die millimeterkleinen Windrad-Parks, die sich auf handtellergroßen, ockergelben Flächen ausbreiten. Meine Pupillen weiten sich, als wir über der Straße von Gibraltar den Katzensprung auf den nächsten Kontinent wagen und plötzlich Afrika unter uns liegt.

Flughafen Hahn Flughafen Hahn Fensterblick: Kurz vor den Alpen

Fensterblick: Kurz vor den Alpen

Fensterblick: Die Alpen Fensterblick: Wolkenloch in Frankreich Fensterblick: Die ersten Meter Afrika

Selbst von hier oben fällt uns auf, dass irgendetwas anders ist - der Horizont wirkt weiter und dimensionaler, wie glockenförmig über das Land gestülpt, das Licht schärfer und klarer. Ein feinhaariger Pinsel hat sanfte Wellen auf die Erde gemalt, karoartige Felder aus saftigem Grün und weichem Braun überziehen das dünn besiedelte Land. Ein intensives Abendlicht zeichnet lange Schatten in die rostbraunen Städtchen unter uns. Etwas widerwillig gibt der Horizont nach und nach das Atlasgebirge preis, das den Alpen von hier oben in Erhabenheit und archaischer Anmut in nichts nachsteht. Das Flugzeug macht eine elegante Drehung, neigt sich der Erde zu. Die freundlich lächelnden Flugbegleiter machen ihre Runde und bitten darum, die Gurte anzulegen. Ich ziehe mein Wohlstandsbäuchlein ein, in dem die Nervosität vor der Landung ein Ziehen verursacht. Als die Boing auf der Rollbahn aufsetzt, werden wir gut durchgeschüttelt, kommen aber unversehrt auf marokkanischem Boden an. Als ich durch die Flugzeugtüre trete, blinzele ich in pures Licht. Bevor ich die letzte Stufe der Gangway nehme, lasse ich meinen Fuß einen Moment über dem Beton der Rollbahn schweben. Ich sammle mich, bevor ich zum ersten Mal im Leben einen Fuß auf afrikanischen Boden setze und so ein Fähnchen auf einen neuen Kontinent auf meiner Weltkarte pinnen kann. 

Fensterblick: Über Marokko

Fensterblick: Über Marokko Fensterblick: Über Marokko Fensterblick: Anflug auf Marrakesch

Sonnenuntergang am Flughafen Menara Marrakesch

Unser Flugzeug am Flughafen Menara Marrakesch Unser Flugzeug am Flughafen Menara Marrakesch Flughafen Menara Marrakesch

 


Nächster Teil: Orient atmen in Marrakesch I Eindruck aus der Stadt der Details


 

// Unsere Videos zur Marokko-Reise 2015 //

 


 

Unser Anreisetipp:

Von Deutschland aus erreicht man Marrakesch auf der Schiene in einem Mehrtagestrip mit Umstieg in Paris und Madrid, sowie einer Fährüberfahrt bis Tangier und einer Nachtzugfahrt von dort bis Marrakesch. 

Eine schnellere, wenn auch etwas weniger komfortablere, dafür aber deutlich günstigere Alternative ist die Billigfluggesellschaft Ryanair.

Mehr Infos zum günstigen Bahnfahren findet Ihr unter bahn.weltenfinder.de

 


  DKB kl  

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